ich duckte mich und stieß mir dabei den kopf, schlang die arme um die beine
und stützte mein kinn auf die knie. da saß ich nun unter dem schreibtisch eines
bankangestellten, der vermutlich ein paar meter weiter im eingangsbereich auf
dem boden kauerte, regungslos sein gesicht in die hände barg und stoßgebete
gen himmel sendete, während die sirenen der polizeiautos weiter heulten und
die uniformierten cops ihre waffen weit vor sich gestreckt das bankgebäude
stürmten. "wo ist er?", hallte es aus jeder richtung. zuckende, aschfahle körper
in embryonalhaltung zu ihren füßen. niemand sagte ein wort und doch war die
unruhe gigantisch. es dröhnte in meinen ohren, ich hielt sie fester zu. schüsse
im foyer. wieder und wieder. ich schmeckte sand. und blut. schusswechsel.
gebrüll. tränen. patronenhagel. "scheiße, er haut ab! sichert die aufzüge und
die treppe vor dem haupteingang", wurde befohlen. ich hielt es nicht mehr
aus. ich hatte ihn zuvor noch nie benutzt, ich hatte ja nie grund dazu gehabt,
zog jetzt aber gekonnt den selbstverteidigungs-revolver aus der innentasche
meiner jeansjacke und rannte auch nach oben. ich leg' den kerl einfach um
und geh' danach wieder an die arbeit. so weit mein plan. ich erreichte den
letzten unbesetzten fahrstuhl vor dem keuchenden polizisten mit derselben
idee und fuhr in die oberste etage; der einzige fluchtweg konnte nur noch
über das dach verlaufen. der aufzug ging mir gewaltig auf die nerven, denn
ich schien kaum voranzukommen. fahrstuhlmusik erfüllte die kabine, der
teppich gab unter meinen füßen nach. ich spiegelte mich in der politur der
holzwände, aber ich erkannte mich nicht. schließlich doch noch oben
angekommen, brach ich den liftschaltkasten auf und durchtrennte einige
kabel. die anlage blieb stehen und die tür offen. ich wandte mich um, trat
über die schwelle und blickte plötzlich in einen pistolenlauf. "...du bist kein
cop", spuckte er mir ins gesicht. ein schlaksiger bursche stand da vor mir
und wusste wohl selber nicht, was er tat. ich war weder von schreck noch
von überraschung erfüllt, nur von ärger über diesen idioten. "nein. ein grund
mehr zur angst für dich, junge." ich schlug ihm in einem schwung mit meiner
knarre die waffe aus der hand, sie landete nach ihrem aufprall an der wand
ein paar ellen von dieser entfernt. damit hatte er nicht gerechnet. der miese
bankräuber sah sich panisch nach einem gegenstand um, mit dem er sich
noch wehren konnte. die chancen standen schlecht für ihn. aber ich ließ ihm
etwas zeit, denn langsam fand ich gefallen an diesem spiel, doch ich ließ ihn
nicht aus den augen. sehr zu meinem amusement und zum vorteil der polizei
zog sich das hin und her über einige sekunden. als absätze auf den stufen zu
hören waren, stürzte sich der unprofessionell maskierte jüngling spontan auf
mich, umklammerte meinen oberkörper und trat mir in die knie, bis wir alle
beide zu boden gingen. ich war nicht besonders stark und aus dieser nähe
konnte ich nicht schießen. er schlug wie ein mädchen. aber effizient. seine
fäuste rammten immer wieder meine rippen. wir rangen auf dem boden und
wir rangen nach luft, denn wir versuchten beide, den anderen zu würgen.
ich konnte nicht glauben, dass er mir ebenbürtig sei und redete mir ein, er
ahme mich nach. dabei bemühte ich mich, die schwachstellen zu treffen, die
er bei mir zu finden suchte. der erfolg schien auszubleiben und ich geriet
immer mehr in rage. und jetzt lag ich auch noch mit dem rücken auf dem
eiskalten steinboden unter ihm. eine horde blauhemdiger männer mit arg
wutverzerrten gesichtern stürmte auf uns zu. ich seufzte erleichtert, als sie
uns erblickten und ihren schritt noch beschleunigten. "da ist er!" - jemand
rempelte mich, packte meine schulter fest und brüllte mir ins gesicht. ich
hörte handschellen klicken. na endlich, dachte ich nur. doch das metall
umschlang nicht die dürren handgelenke des räubers, sondern meine. ich
konnte es nicht glauben, alles lief furchtbar schief und ich war zu sehr
überrumpelt, um etwas zu sagen. in diesem tumult hätte mich vermutlich
sowieso keiner gehört. nun hatten sie auch den idioten von räuber neben
mir entdeckt, rafften ihn auf und fragten, wer er sei. er stotterte, er wisse
es nicht, und klang dabei beeindruckend überzeugend. er hatte wohl
noch nicht ganz begriffen, was gerade um ihn geschah und schien selbst
mir auf einmal bemitleidenswert beschränkt. der kerl war entweder der
dümmste räuber oder der gewiefteste schurke, mit dem ich es je zu tun
hatte. nicht, dass das besonders viele gewesen wären. am liebsten hätte
ich ihm den mund zugehalten - einfach, weil ich nicht teil eines in diesem
maße zerreißend blöden momentes sein wollte. aber auch er war so aus
der fassung, dass er lediglich schweigend sitzen blieb. er atmete noch
schwerer als ich, keuchte, aber ich interessierte mich nicht weiter dafür.
nicht nur, weil mich zwei polizisten jetzt in richtung des zweiten, noch
funktionstüchtigen aufzugs stießen. zwei weitere kollegen folgten uns
wachend, aber als der rest um anweisung zum weiteren vorgehen mit
dem verbliebenen herren erbat, drehten sie sich allesamt um. beide
handschellen umschlangen meine arme, ein bulle hielt mich nur an der
verbindenden kette. mitsamt seiner aufmerksamkeit löste sich nun auch
sein vorher so fester griff. ich zögerte nicht, sondern riss mich sofort los
und rannte um fort. in aller eile überschlugen sich meine schritte um die
ecke und ich mich mit ihnen. ich stürzte die treppe hinab ins chaos. "er
haut ab!", rief man mir hinterher. das ging auch nicht an der zitternden
menge vorbei, die im foyer darauf wartete, dass etwas geschah; dass
man den ganoven fasste und sie endlich befreite. ich lag da und wollte
ihnen mitteilen, dass ich eigentlich der gute war, dass ich auf ihrer seite
stand. man hatte mich nur von da fortgerissen. ach, ein unerträgliches
dilemma! ich musste weg. und so geschah es. ich begann zu rennen und
weil gerade alle einsatzkräfte oben waren und nicht wussten, was sie tun
sollten, war der haupteingang offen und frei. niemand von den anderen
mehr oder minder beteiligten traute sich, mich anzugreifen; da fiel mir auf,
dass ich immer noch den revolver in der hand hatte. ich hatte ihn die ganze
zeit in meiner faust gehalten. blut lief mir den handrücken hinunter, doch
der revolver blitzte neu und schien verschmitzt zu grinsen. aber ich war
kein gewalttäter. ich war nur ein mann, der das geld nötig hatte, das er
bei seinem job verdiente, den er dafür allerdings erledigen musste, und
zwar so schnell wie möglich, damit der feierabend auch lang genug war.
ich rannte, dachte ich, jedoch hinkte ich mehr und brach nach einigen
schritten zusammen. einhundert augen folgten jeder meiner bewegungen.
das blut schoss durch meine adern, alles pochte vor schmerz. und vor
aufregung. ich glaubte, ich blutete auch am hinterkopf, immerhin war ich
eine marmortreppe hinuntergekugelt. erst jetzt merkte ich, wie sich alles
drehte. ich kroch zur tür, oder kugelte nur im kreis. ich wusste nicht mehr,
ob ich mich überhaupt bewegte. und ich fühlte mich bei dieser misslichen
verfolgungsjagd mittlerweile schon rechtens verfolgt. ich fühlte mich wie
ein krimineller und ich begann wohl, wie einer zu denken. doch ich wurde
schon wieder übermannt. ich weiß nicht, wie viele sich auf mich wafren;
ich spürte nichts mehr, außer den einen hieb in den rücken und den einen
schlag mit einem knüppel auf meinen klaffenden hinterkopf. mir wurde
schwarz vor augen, rot und dunkelschwarz. und ich wäre froh darüber
gewesen, wenn ich noch die gelegenheit dazu gehabt hätte, es zu merken.
(fortsetzung folgt.)
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