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aufbäumen.

wir wachsen mit den niederschlägen;
leben nennen sie‘s. und sägen
an den ästen und den zweigen
derer, die voll angst sich zeigen.

sie zweigen ihre maße auf,
doch wirken nur von fern groß.
wenn ich über die straße lauf‘,
dann fühl‘ ich mich oft kernlos.

kennst du das? die triebe: narben,
von wo blätter einst geflogen,
sich entfal(l)teten und starben.
meine zweige sind verbogen.

winterwind ruft deinen namen,
füllet deine lungen ganz.
weißt du noch, woher wir kamen?
blätterrascheln – totentanz.

entwurzelt trägst du deine krone.
jeder träumer, kopf gesenkt,
soll bald wissen, dass sich‘s lohne,
wird er denn von dir beschenkt.

dein schatten, rosskastanienbaum,
hat sonnenstrahlen aufgefangen,
dass einkehr findet und auch raum,
wer still deinen weg gegangen.
            
              

was für sie schlimm ist (r.b.)


einen genialen gedanken
unter tausend anderen, schlimmen gedanken nicht finden zu können.


#3

the eye notes, the high tones, her thigh bones.
       
               

(titel folgt)

sie ist die königin, meine erhabene herrscherin,
mehr gebend als habend doch. ich dagegen bin
irgendwie ihr könig, obwohl ich ihr zu füßen liege.
lieg' gern als sklave in den ketten meiner liebe,
vor die ich selbst den eisernen riegel schiebe;
genieß' im demutskerker freuden statt hiebe.
ich wünschte, ich könnte sie wirklich befrein,
doch der drache haust in ihr und ich bin selbst gefangen.
ich hab' großes gesucht, jetzt ist das größte mein
und ich muss trotzdem stehen und in flammen darum bangen.
       
               

przystajń

niemand kennt seinen körper besser
als der, der jede seiner zellen hasst.
kehr mir deinen
                    last – berg – rücken        zu;
  ich kehr' ihn ab und kehr' die blätter fort.
es wurde herbst oder herbst ist geworden,
unmerklich erst, dann:                        ...da.

blatt
fällt
blatt
fällt
baum.

wald ist bäumeschatten – angst auch.
       
           

reutlingen

ich seh' mich zu dir um,
nur um dich vorzustellen,
weil du dich im hintergrund hältst.

ich dreh' mich zu dir um,
um für mich festzustellen,
wie gut du mir selbst eigentlich gefällst.
       
                         

horní dvory

mein himmel fängt mit deinem anblick aus der ferne an
und endet, wo mein arm dich nicht länger erreichen kann.
mein himmel ist im innersten ein teil von mir;
hab' nur erdboden für mich und himmel ausschließlich bei dir.
         
               dein licht reicht nicht bis hier; mein himmel ist dunkel.
         
             

#1

kleine seufzer voll kleinem glück
momente, die welt in einer ringschachtel.


rom

es heißt, entfernung kennt die liebe nicht.
ich werfe steine in den tiber.
ob's hier nicht schön sei, fragt man mich.
die erms wär' mir jetzt lieber.
           
                           

mondscheinwalzer

hast du den himmel gesehen?
schwarzes hemd glänzt
satin spiegelt
sterne spiegeln
sterne reflektieren.
gala-xie
gibt eine
gala:
die nacht geht
nicht hin.

himmel streunt,
streut leuchten,
tritt von tanzschuh auf tanzschuh.
der einsame tanzt nicht,
der liebene findet keinen schlaf.
der mutlose ahnt nicht,
dass er held ist für jemanden.
           
                   

guttiger nacht

I
komm, lass es
zu, lass
deine augen einfach zu
fallen
und die gedanken
nach außen
hallen,
statt sich wider-
und widerspruch
um widerspruch
im widerstand
gegen
den widersacher
in deinem inneren.
         
               
II
du bist
dir selbst
ein tiger.
streifst
durch den dschungel deiner gedanken.
lianen assoziieren sich.
du zierst dich nicht,
nüsse mit dem kopf zu knacken.
reich mir die pfote,
ich halt' sie und
lass
uns
uns niederlegen.
ich halt' dich
dazu an. abgefahren
kennt keine gefahr.

die welt hält nicht für uns an,
wir für sie
nicht den atem.
halt deinen atem ruhig,
verscheuche nicht den schlaf
legt sich sacht auf deine augenlider.

lass es
nur zu,
auch tiger dürfen schlafen,
sogar die verlorenen.
sie sollen letztlich in den nächten geborgen sein
und die trost-blüten-bäume, die lächeln wurzeln,
wollen sie sicher wiegen.
               
             

sonnenauf(au)gang

ich stell' mir vor, wie's wäre, wenn die sonne
am morgen für mich in deinen augen aufginge.
           
                 

24. april

ich hab’ große angst, dass du mich durchschaust,
aber größere, dass du’s nicht tust.


ohne titel

"schön hier", wirst du sagen
"schön, du", stimm' ich dir zu,
deine finger zwischen meinen
zwischen häusern, schildern, lichtern;
hier könnte ihr gebäude stehen.
oder hier.
hier können sie glücklich sein.

und wir brauchen nicht viel,
nur abstand
vom stillstand
und welt.
wir werden einfach
auf dem asphalt liegen
im traum von chicago.
             
                   

enjoy the silence, depeche mode

du liegst gedankenschwer in meinem arm;
das gewicht lastet auf dir allein.
mir ist kalt und trotzdem warm.
ich wünschte, ich könnt' dich befrei'n.
           
beschimpfe mich, du fluchst doch nur zurecht.
kannst du mich nicht weinen sehen?
im leben muss man nichts so recht;
und ich muss jetzt dennoch gehen.
         
                     

meine philosophin

du bist dir selbst noch aufgabe,
doch in dir ist etwas wirksam,
das bis in die lichtesten höhen alles treibt.
deine wirklichkeit ist ein geheimnis
und res extensa.
dein beseelter leib will schrei'n,
instinktlos-elendes geschöpf,
so verlassen aus den händen der natur gekommen,
schwach und unterliegend, dem zwist der elemente,
dem hunger, allen gefahren, den klauen
aller stärkeren tiere, einem tausendfachen tode
überlassen,
stehst du da! einsam und einzeln!

     
         
ich an deiner seite.

du warst auch vom ersten augenblicke an
das freitätige, vernünftige geschöpf,
das sich selbst helfen sollte
und nicht anders als gekonnt haben wird.
       
               

briefkastengeliege

woran ich denke, fragt sie mich.
wolken. oder: keine wolken. 
meine ausreden waren noch immer die schlechtesten.
wenn ich nur liegen könnte, immer liegen,
hier neben dir.
da wär' das wünschen nichts mehr wert.
               
             

an meine freundin

lass mich schwärmen,
von deinem lächeln, deinen augen,
die mein herz sehr wärmen
und mir den atem rauben.

lass mich dir die haarsträhnen
aus deinem gesicht streichen.
lass mich auch die tränen,
die du nicht weinst, beschleichen.

lass mich meine jacke um deine schultern legen,
dich fragen, was dir durch den kopf geht,
was dich kränkt, und komm, wir machen was dagegen,
bevor ich gehen muss, denn es ist spät.

lass mich noch sagen, 
dass du unbeschreiblich schön bist.
lass dich auch fragen,
wieso es so schwer für dich ist.

wir haben viele möglichkeiten.
wir können viel bewegen!
wir dürfen nur in diesen zeiten
nicht die hoffnung niederlegen.
             
                                 

an meine begabte freundin und die lebenskunst

das leben als kunst
ist nur noch normal.
künstler haben es schwer,
besonders
zu sein.

du bist besonders
(,)
künstlerin,
glaubst nicht, doch deine kunst tut's
und ich.
du bist müde, sagst du und hältst
                            die hände vor dein gesicht.
du siehst schön aus, finde ich.
bring mich nach avalon!
du kannst die erschöpfung
schönes schöpfen machen.

             
                         

das beste

du bist noch mehr als du scheinst.
du bist ja niemals zu verletzen!
du bist auch dann schön, wenn du weinst.
du bist niemals zu ersetzen.

du bist.
und das ist das beste.