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aufbäumen.

wir wachsen mit den niederschlägen;
leben nennen sie‘s. und sägen
an den ästen und den zweigen
derer, die voll angst sich zeigen.

sie zweigen ihre maße auf,
doch wirken nur von fern groß.
wenn ich über die straße lauf‘,
dann fühl‘ ich mich oft kernlos.

kennst du das? die triebe: narben,
von wo blätter einst geflogen,
sich entfal(l)teten und starben.
meine zweige sind verbogen.

winterwind ruft deinen namen,
füllet deine lungen ganz.
weißt du noch, woher wir kamen?
blätterrascheln – totentanz.

entwurzelt trägst du deine krone.
jeder träumer, kopf gesenkt,
soll bald wissen, dass sich‘s lohne,
wird er denn von dir beschenkt.

dein schatten, rosskastanienbaum,
hat sonnenstrahlen aufgefangen,
dass einkehr findet und auch raum,
wer still deinen weg gegangen.
            
              

einfluss

du bist a, o und delta.
und in deinen augen
legt sich meine welt dar
und vor lauter staunen
ich mich vor dir nieder.
hab‘ dich auserkoren,
mich jedes mal wieder
ganz dabei verloren:
nie tat fallen je so gut.
kann es denn die erlösung sein?

hört das auf mit dem skorbut
und dass ideen nur böse schein‘?
bin zum heilen zu erschöpft.
gedanken hinterlassen wunden,
halsschmerzen und wie geköpft.
hab‘ ich mich umsonst geschunden?
holst du mich aus diesem loch?

bodenlos, die rauen wände.
etwas glauben hab‘ ich noch,
nicht in mich, doch deine hände.
ich will in deine lippen münden,
halt mein herz, noch fließt es denn,
schwimmt es auch auf zähen sünden,
schließt‘s die tore, kämpft und rennt.
puls nur, wenn der feind anklopft
und übertönt, wie’s bitter weint.
rettung hab‘ ich mir erhofft,
wäre ich mit dir vereint.
        

                     
du erstreckst dich als die entfernung zu dir; scheinst selbst eine nicht zu
berührende narbe. die zeit vergeht, du spürst es nur durch die schluchten
(auch als präteritum von die schlachten oder perfekt für dich), die sie
anhalten. stehen bleiben... kannst du stehen bleiben? abgründe klaffen
auf. du wärst am liebsten hineingesprungen, doch wärst nur angekommen,
wo du dich immer zu bleiben glaubst: in treibsand zu versinken heißt nicht
zu bleiben. wir haben manchmal nicht eine sprache oder du verschlägst
sie mir; du schlägst mich zu boden, wenn ich dich dort sehen muss, selbst
ausgeknockt und ins gesicht getreten. herz untergraben und eingegraben.
aufgestanden, abgeklopft. sauber gemacht, abgestempelt. und geblieben.
augenaufschlag und gleichermaßen augenniederschlag.
                                                          ich sehe: es gibt ein du und ein dir.
         
und rettung. für dich. es heißt nicht für dir.
und für mich.
       
         

was für sie schlimm ist (r.b.)


einen genialen gedanken
unter tausend anderen, schlimmen gedanken nicht finden zu können.


#3

the eye notes, the high tones, her thigh bones.
       
               

(titel folgt)

sie ist die königin, meine erhabene herrscherin,
mehr gebend als habend doch. ich dagegen bin
irgendwie ihr könig, obwohl ich ihr zu füßen liege.
lieg' gern als sklave in den ketten meiner liebe,
vor die ich selbst den eisernen riegel schiebe;
genieß' im demutskerker freuden statt hiebe.
ich wünschte, ich könnte sie wirklich befrein,
doch der drache haust in ihr und ich bin selbst gefangen.
ich hab' großes gesucht, jetzt ist das größte mein
und ich muss trotzdem stehen und in flammen darum bangen.
       
               

przystajń

niemand kennt seinen körper besser
als der, der jede seiner zellen hasst.
kehr mir deinen
                    last – berg – rücken        zu;
  ich kehr' ihn ab und kehr' die blätter fort.
es wurde herbst oder herbst ist geworden,
unmerklich erst, dann:                        ...da.

blatt
fällt
blatt
fällt
baum.

wald ist bäumeschatten – angst auch.
       
           

(re)generation oder: sturm der glühenden herzen (weil asche doch brennt)

hier ist nichts verboten,
vor allem münder nicht.
man nimmt rücksicht,
denn hier sieht man auf viel zurück,
doch man will nicht zurückblicken,
sich nicht in die arme fallen,
überhaupt nicht fallen,
sondern die arme in die luft werfen
und sich um die schultern
und die träume auf den weg.
nicht zu schnell hinterher,
aber immer hinterher.

man hat nie auf sie gewartet,
nun warten sie auf nichts
außer aufeinander.

wir sind leuchtkugeln,
wollen alle schneller schwingen.
wir teilten ihren himmel nicht.
für uns war es so lange dunkel,
aber unsere zeit ist gekommen
mit der sonne auf unserer seite,
in unserem rücken
und wind.
und wir sind
der sturm.
         
                 

reutlingen

ich seh' mich zu dir um,
nur um dich vorzustellen,
weil du dich im hintergrund hältst.

ich dreh' mich zu dir um,
um für mich festzustellen,
wie gut du mir selbst eigentlich gefällst.
       
                         

horní dvory

mein himmel fängt mit deinem anblick aus der ferne an
und endet, wo mein arm dich nicht länger erreichen kann.
mein himmel ist im innersten ein teil von mir;
hab' nur erdboden für mich und himmel ausschließlich bei dir.
         
               dein licht reicht nicht bis hier; mein himmel ist dunkel.
         
             

#1

kleine seufzer voll kleinem glück
momente, die welt in einer ringschachtel.


jasna góra

uns ist gegeben,
auf heiligen stätten die ruhe
zu suchen.
frevel auf schmutzigen knien;
man grüßt verhalten
und verhält sich unauffällig,
ungefällig und
(un)gefallen.
ruhe bitte, ja, bitte um ruhe
und seelenfrieden.
nur wenige taschen voll:
heute ablassbriefe vor dem dom.
sa--- unterzeichnet im kleingedruckten.
kein reich werde auf armem boden; doch willkür geschehe.
wir sind nicht (ein)geweiht:
gelobtes land bleibt horizont.
ungeweihte haben nur
die traurigkeit der pferde.
       
                       

rom

es heißt, entfernung kennt die liebe nicht.
ich werfe steine in den tiber.
ob's hier nicht schön sei, fragt man mich.
die erms wär' mir jetzt lieber.
           
                           

ostia

jedes einzelne leben hat zwar seine würde
und unantastbaren wert,
jedes leben ist jedoch durch seine bürde
gewissermaßen auch erschwert.
         
                           

leben am kreuz

sie wollen ein fest uns geben,
die individuen scharen sich.
für den staat gilt es zu leben
und besonders gelte ich.

von allen dächern ruft es längst:
heute wirst du noch zum helden,
ausgezeichnet, wie du denkst,
musste nur noch einer melden.

auch meinen namen rufen sie;
jeder kriegt den bestenpreis.
nur verlierer sehn ihn nie,
verlierer es am besten weiß.

echtes gold am roten band;
marsch, der oberst wartet schon.
drück's kreuz in die gefei'rte hand
von mir und dir und der nation.
     
         

na(r)zideologie

nimmer wird das reich zerstöret.
jeder mann im volk dabei.
stimmt ein, wenn ihr's singen höret,
dass ihr einig seid und frei.
            
blut und ehre, blut und ehre:
die hemdenflecken nicht zu sehen.
stellet euch vor, was das wäre –
kopf-oben durch rote lachen gehn.
         
männer still und stilisiert
reihen, glieder, zinnsoldaten.
das volk endlich mobilisiert:
konfetti fliegt und handgranaten.
                   
               

glems

der himmel treibt
seit tagen morgengrau
nur vor sich her.

unterm himmel bleibt
mein magen sorgenflau
und rumort sehr.

die wolken scheuen sich jetzt,
was sie so gern vergaßen,
wiederzusehen (scheußliches),
bläuten sich die straßen.

erinnerungen sind
manchmal schwer zu ertragen.
kein innerer wind
trägt die wolken und fragen.

die wolken steigern sich
wie die größten narren.
die wolken weigern sich
und bleiben beharren,

nicht mehr als kerzen
licht durchzulassen.
tja, manche herzen
sind nicht zu fassen.
           
           

augenlieder

sie trägt welche ihrer schönen, ihrer sauberen sachen.
sie will ihnen heute mehr als nur schöne augen machen.
sie trägt spitzen-wäsche (das soll so doppel-d-eutig klingen).
statt wimpern-klimpern kann sie wirklich mit den augen singen.
       
                   

cheb

ich kaufte mir schuhe
auf dem basar der herzen.
im letzten jahr wurden hier noch vorhänge
-schlösser verteilt.
händler heben nur noch verhalten die linke hand
und drachen schlafen nicht,
wachen im lotussitz
als meditantrabanten
und werden nie zu hause sein
in china
in cheb.
       
             

jesenice (noch in bearbeitung)

I
du bist mir
näher als meine
haut.
du bist mein
rauschgift
ganz
körper
tattoo
und erst mein körper.
ich bin erhitzt;
dein muster blüht
in allen
farben auf.

II
deine farben sind
rot
und
blau
licht.
woanders eine andere,
wo
geheim.
aufregend
gegen
aufregung erregend.
nein, ich kenne dieses mädchen nicht.
doch sie als einzige mich.