dream catcher

ich werd' von nichts verfolgt, seh' hinter mich und seh' nur mich. werd'
ich vom nichts verfolgt? ich laufe und bleib' stehen, weil nichts ist, das
mich jagt. ich wach' im eigenen angstschweiß auf, kalter schweiß der
heißen angst vor gar nichts, davor, dass gar nichts da ist und dass nichts
mich aufisst, das nichts mich aufisst, weil das nichts da ist, zum greifen
nah: zum mich-greifen nah; jetzt greift es mich, längst zu spät für mich,
von angst ergriffen die flucht zu ergreifen. ich dreh' mich im kreis und
meine füße haften fest am boden, der unter mir auseinanderbricht und
mir unter den füßen weggezogen wird, während mir der atem und ich
dem traum entzogen werde. traumfänger, gib mir meine träume wieder!
             
                       

rosenstolz, zumindest ähnlich

sie macht dich krank, sie macht dich dumm; die liebe lacht dich aus...
       
                   

wovon die wölfe träumen

           
                                wenn du nach hause kommst und keiner hat dir verziehen.
             
           

losschreibfakt

             
                        die leere in der überfülle werd' ich nur im schreiben los.
           
         

hm.

unglücklich, geliebt zu werden von verhasstem.
unglücklich, zu lieben, was dich hasst.
         
                 

passivschmerz

manchmal quält es mehr,
leiden zu sehen,
wen wir lieben,
als selbst
schmerzen zu erfahren,
wenn wir mit ansehen müssen
und nicht das geringste tun können.
       
                         

liebe(n)swertigkeit

perfektion nicht erkannt:
liebenswürdigkeit
in der sturen verspieltheit überreizt.
nicht mitanzusehen!
blindheit zerreißt.
ihre verblendetheit zwingt mich in die knie.
was kann ich tun?
lass mich das licht sein am ende deines tunnels
oder der lichtreflex im tunnelblick.
zum ersten mal sowas wie liebe.
kann es endlich reichen?
sei held für mich, held für dich.
lass gerettet sein.
schlecht ist eine lüge;
nichts ist schlecht an dir.
glaub' mir, wenn ich dir sage,
dass du dich eigentlich nicht sorgen musst.
       
 

skandal um rosen

einmal ausgesprochen,
einmal als schablone angewendet
treffen werte wie schwerter,
bewertungsmaß-stäbe.
back-stabbed vom spiegel der eigenen gesellschaft,
in der alle masken tragen –
nicht maßgeschneidert,
sondern einheitsgröße,
doch das einheitsgefühl bleibt aus.
pass auf, dass niemand die blutflecken sieht.

unschön, schönheit in "unschönheit" zu finden.
wie schön doch, schönheit im unschönen zu sehen.
von schönheit sprechen
ist nur von nichts sprechen
und über etwas so großes,
dass keine wissenschaft ihm einen rahmen geben kann.
welche anmaßung also,
schönheit zu messen!
das ist, als würde man 
den menschen verleugnen.
       
           

toxic

hey axon,
reizendes ding, spürst du nicht den impuls,
dich endlich von mir elektrisieren zu lassen?
ich hab' dich fast, bin längst über den hügel.
lass mich der reiz sein, nimm mich wahr.
                           wie wär’s mit uns beiden?
du der effektor, ich der effekt: rette mich
                         aus dem synaptischen spalt
                  zwischen eifer und verzweiflung;
lass es geschehen: traute verzweigsamkeit.

excitotoxizität? mach dir mal keine sorgen,
wir machen langsam, aber lass uns machen.
ich bin keiner dieser neurotransmitläufer;
jetzt steh' ich unter druck: ich will dich wirklich.
kontraktion, baby! ja, lass uns irgendwann
                                zusammenziehen,
du und ich unumkehrbar angezogen.
         
                                 

(her)ausnahmephänomen

wir verlieren unsere coolness
in der einzigen konstanten:
im constant craving
nach dem zentralen moment,
nach beruhigung in anregung, erregung, aufregung –
drauf sein, um runterzukommen.
wir schwitzen
im psychotropischen klima
und auch von dir geht so 'ne hitze aus.

die komplexität der komplexe
lässt uns nach unstimmigkeit lechzen
und einstimmen in einen hilfeschrei.
kontrollverlust, kompletter selbstverlust.
angstverlust, verlustangst außer kontrolle.

wir geifern, geilen uns am eifern auf, 
am versuchen, dem hochdemut, 
werbrennen, verlieren-frust,
auch am erfolg, am glück
und an den fratzen der neider.
was sollen wir tun? 
wagen wir das staging noch zu steigern?
unterschicht-underground,
never coming of age stag-nation.

eine einzige inszenierung
in der szenerie vorm leichenstauhaus.
wir stehen bis zum hals in pfützen;
eigentlich rutschen wir nur auf knien.

wie ist das, wenn sie dich wollen?
zerreißt es dich, wenn sie sich um dich reißen?
ich seh's doch: es reißt dich in stücke –
hammer, so hat jeder was von dir.
       
                    

titulierung

im versuch, von lexika verstanden zu werden
ist die affektlabilität schließlich umgekippt:
die beleidigung in der wahrscheinlichkeit
wird zur hoffnungslosigkeit in der gewaltigkeit,
und der einzige trost
liegt in der gewissheit der möglichkeit.
             
                       

zuvielisation

genussmittelverschwendung
zur grundbedürfnisbefriedigung:
nie mehr weniger als luxus.
schlecht ist mode,
vernunft außer trend.
wir trinken unser eigenes blut
als antrieb des geschlossenen systems
von hassgefühlen in unseren herzen.