klar, natürlich, das kann man alles nicht erzwingen. es ist richtig verstrickt
und ‘ne ganz schön große sache. und ich, ich müsste eigentlich still sein,
denn ich bin selbst nicht besser und ich bekomm’s auch nicht auf die reihe.
deswegen weiß ich auch, dass das alles nicht so einfach ist. dass das alles
hoffnungslos erscheint und die zeit zeit braucht, um zu heilen.
etwas schlechtes ist ein teil von dir geworden, einfach so über die jahre,
und es nimmt einen ein und nimmt überhand und manchmal verliert man
sich selbst darin. man beginnt, das falsche zu glauben und das schlechte
zu lieben. man freundet sich damit an, damit es einen nicht zerstört. und
plötzlich hat es dich. und von außen kann man dich nicht befreien. man
kann dich nicht retten, wenn du dich selbst nicht rettest. aber manchmal
möchte man das zu gern glauben.
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der sandmann
seine augen sind sandfarben. das sind sie eigentlich nicht, denn
eigentlich sind sie blau, meerwasserblau, wenn man so will, eigentlich
nicht sandfarben jedenfalls. und doch ist es, als hätte er sand in den
augen und sie sehen so müde aus und er sieht müde aus und zerstreut.
und wenn ich in seine augen sehe, sehne ich mich nach der ferne und
fühle mich hier schon fremd und bin nirgendwo je zu hause gewesen.
er ist gestrandet, hat seine träume in den sand gesetzt. und dieser sand
im getriebe immer. er ist auf die knie gesunken, die jetzt rau sind und
wund und sandig. und seine augen sind matt, sein geist abgewetzt,
glanz abgenutzt und spiegelt sich nicht wider. und ich kann mich nicht
in seinen pupillen sehen und wir sind beide verloren in seinen augen,
sind beide allein und haben sand in den schuhen und ist der weg noch
weit? und wohin überhaupt. sand, der sonst immer so angenehm war,
schattenkühl zwischen den zehen, sanfte schwere, so erleichternd, als
sie vom fußrist glitt und die körner zurück in den ozean der
unhaltbarmachlichkeit zurückflossen, abtauchten, aber immer noch in
der mittagssonne glitzerten.
und plötzlich war ich die blauäugige.
eigentlich sind sie blau, meerwasserblau, wenn man so will, eigentlich
nicht sandfarben jedenfalls. und doch ist es, als hätte er sand in den
augen und sie sehen so müde aus und er sieht müde aus und zerstreut.
und wenn ich in seine augen sehe, sehne ich mich nach der ferne und
fühle mich hier schon fremd und bin nirgendwo je zu hause gewesen.
er ist gestrandet, hat seine träume in den sand gesetzt. und dieser sand
im getriebe immer. er ist auf die knie gesunken, die jetzt rau sind und
wund und sandig. und seine augen sind matt, sein geist abgewetzt,
glanz abgenutzt und spiegelt sich nicht wider. und ich kann mich nicht
in seinen pupillen sehen und wir sind beide verloren in seinen augen,
sind beide allein und haben sand in den schuhen und ist der weg noch
weit? und wohin überhaupt. sand, der sonst immer so angenehm war,
schattenkühl zwischen den zehen, sanfte schwere, so erleichternd, als
sie vom fußrist glitt und die körner zurück in den ozean der
unhaltbarmachlichkeit zurückflossen, abtauchten, aber immer noch in
der mittagssonne glitzerten.
und plötzlich war ich die blauäugige.
engel mit verweinten augen
er hatte ihren beigefarbenen strickmantel geliebt. er hatte ihn geliebt, weil
sie ihn so sehr geliebt hatte. kleine regentropfen sammelten sich an den
spitzen des fellsaums an ihrer kapuze, wippten bei jedem ihrer schritte mit,
glitzerten wie sterne im licht der straßenlaternen. die notärzte hatten sie mit
fragen durchlöchert, doch sie hatte keine antworten für sie gehabt. sie hatte
alles über ihn gewusst, bis auf das letzte kleine geheimnis - dachte sie, aber
dann schien ihr, als läge ein fremder zu ihren füßen auf dem boden. die
ärzte legten eine decke über seinen körper, zogen sie bis über den kopf.
es war zu spät. er hatte die dinge immer zu ende geführt. diesmal hatte er
es wieder geschafft. er war ein gewinnertyp. eigentlich war er immer ein
gewinner. und diesmal musste er sich auch als einer gefühlt haben; er
hätte es sicher getan, wenn er es gekonnt hätte. aber sie hatte verloren,
den kampf verloren und ihn verloren. er hatte gewonnen. er war endlich
am ziel, an seinem ziel, sie verloren. sie wollte helfen. und für jede seele,
die sie rettete, gab sie ein stück von sich her. und in jeder träne zerfloss
ein teil von ihr und mit jedem lächeln starb sie ein bisschen. es hätte sie
umgebracht, deswegen. es hätte sie umgebracht, jemanden zu verlieren,
von dem sie wusste, wie verloren er war. sie wollte ihn, sie alle retten.
sie ihn so sehr geliebt hatte. kleine regentropfen sammelten sich an den
spitzen des fellsaums an ihrer kapuze, wippten bei jedem ihrer schritte mit,
glitzerten wie sterne im licht der straßenlaternen. die notärzte hatten sie mit
fragen durchlöchert, doch sie hatte keine antworten für sie gehabt. sie hatte
alles über ihn gewusst, bis auf das letzte kleine geheimnis - dachte sie, aber
dann schien ihr, als läge ein fremder zu ihren füßen auf dem boden. die
ärzte legten eine decke über seinen körper, zogen sie bis über den kopf.
es war zu spät. er hatte die dinge immer zu ende geführt. diesmal hatte er
es wieder geschafft. er war ein gewinnertyp. eigentlich war er immer ein
gewinner. und diesmal musste er sich auch als einer gefühlt haben; er
hätte es sicher getan, wenn er es gekonnt hätte. aber sie hatte verloren,
den kampf verloren und ihn verloren. er hatte gewonnen. er war endlich
am ziel, an seinem ziel, sie verloren. sie wollte helfen. und für jede seele,
die sie rettete, gab sie ein stück von sich her. und in jeder träne zerfloss
ein teil von ihr und mit jedem lächeln starb sie ein bisschen. es hätte sie
umgebracht, deswegen. es hätte sie umgebracht, jemanden zu verlieren,
von dem sie wusste, wie verloren er war. sie wollte ihn, sie alle retten.
spirit
du hast mich so oft gefragt, was ich in deinen augen sehe. ich habe immer
"nichts" gesagt, aber das war nicht alles. "nichts, was dich zu hören freuen
würde", hätte ich am liebsten gesagt. ich wollte dich verletzen. damit du
im spiegel eines tages selbst siehst, was ich in deinen rehbraunen augen
immer gesehen habe: hoffnung. hoffnung, die du unterdrücktest. wegen
der angst, die den glanz aus deinen augen gestohlen hat. und die naivität,
die du immer missbrauchtest. dein selbstbewusstsein, das du als hass
tarnen wolltest. deine träume, die du nie auszuleben wagtest, und die du
doch um jeden preis verfolgen wolltest. ich hab' den schmerz gesehen
und die schreckliche furcht, die furcht vor dem leben, vor dir selbst. ich
hab' das vertrauen gesehen, das du in mich gesetzt hast, hab' deinen
hilfeschrei gehört, deine erwartungen an mich erkannt. ich hab' gesehen,
wie sehr du an uns glaubtest. ich hab' liebe gesehen. die bedingungslose,
hoffnungslose, deine verlorene liebe. ich hab' auch den stolz gesehen,
und die eifersucht, deinen neid, deine habgier, deine ungunst. ich hab'
gesehen, wie du das alles unterdrücktest. ich hab' das ganze unglück
um deine person gesehen. und ich konnte nicht mitansehen, wie du
dich selbst zerstörtest, weil du dachtest, es machte dich glücklich. und
deshalb hab' ich dir nie verraten, was ich in deinen müden, verklärten,
so viele male tränenerfüllten augen gesehen habe. und so sehr es in dir
brannte, ich habe nie gefragt, was du denn in meinen augen sahst.
weißt du jetzt, wieso?
"nichts" gesagt, aber das war nicht alles. "nichts, was dich zu hören freuen
würde", hätte ich am liebsten gesagt. ich wollte dich verletzen. damit du
im spiegel eines tages selbst siehst, was ich in deinen rehbraunen augen
immer gesehen habe: hoffnung. hoffnung, die du unterdrücktest. wegen
der angst, die den glanz aus deinen augen gestohlen hat. und die naivität,
die du immer missbrauchtest. dein selbstbewusstsein, das du als hass
tarnen wolltest. deine träume, die du nie auszuleben wagtest, und die du
doch um jeden preis verfolgen wolltest. ich hab' den schmerz gesehen
und die schreckliche furcht, die furcht vor dem leben, vor dir selbst. ich
hab' das vertrauen gesehen, das du in mich gesetzt hast, hab' deinen
hilfeschrei gehört, deine erwartungen an mich erkannt. ich hab' gesehen,
wie sehr du an uns glaubtest. ich hab' liebe gesehen. die bedingungslose,
hoffnungslose, deine verlorene liebe. ich hab' auch den stolz gesehen,
und die eifersucht, deinen neid, deine habgier, deine ungunst. ich hab'
gesehen, wie du das alles unterdrücktest. ich hab' das ganze unglück
um deine person gesehen. und ich konnte nicht mitansehen, wie du
dich selbst zerstörtest, weil du dachtest, es machte dich glücklich. und
deshalb hab' ich dir nie verraten, was ich in deinen müden, verklärten,
so viele male tränenerfüllten augen gesehen habe. und so sehr es in dir
brannte, ich habe nie gefragt, was du denn in meinen augen sahst.
weißt du jetzt, wieso?
placebo
sie leben von solchen abenden. sie leben nur an diesen abenden. der boden
vibriert heftig und mit ihm die verzweifelten skelette, die in dröhnender
rockmusik, schweißnassen t-shirts und wilden ellenbogengefechten ihren
hunger zu stillen suchen. die halle ist dunkel, damit man sich gar nicht in die
augen sehen muss. nur die bühne ist beleuchtet, weil da die erleuchteten
stehen, werden angestrahlt von den hoffnungsschimmern der verlorenen,
die darum betteln, gefunden zu werden, gefunden von ihm am mikrofon,
der sie anfleht, nicht aufzugeben, der sagt, dass sie wichtig sind, dass es
für alle jemanden gibt, der sie liebt. und sie würden es niemals zeigen,
aber das ist, weswegen sie hier sind, und warum sie immer wieder hier
herkommen. sie brauchen diese worte, die sie zurückbrüllen können, mit
denen sie sich alles von der seele schreien können. wo sie ihre gefühle
frei lassen können und verstanden werden können, wo sie da sind, wo
sie ein teil von etwas sind, ohne dass sie im einzelnen auffallen. und an
diesen abenden ist es, als ob tausend tote gemeinsam zum song "we are
alive" tanzen; in der hoffnung, es irgendwann selbst zu glauben, erhört
zu werden, erhört und erlöst von dem gott, den keiner kennt, und den
niemand benennen kann, weil er allein in ihren herzen existiert und nur
in ihnen allen zusammen leben, wirken und heilen, sie alle heilen kann.
vibriert heftig und mit ihm die verzweifelten skelette, die in dröhnender
rockmusik, schweißnassen t-shirts und wilden ellenbogengefechten ihren
hunger zu stillen suchen. die halle ist dunkel, damit man sich gar nicht in die
augen sehen muss. nur die bühne ist beleuchtet, weil da die erleuchteten
stehen, werden angestrahlt von den hoffnungsschimmern der verlorenen,
die darum betteln, gefunden zu werden, gefunden von ihm am mikrofon,
der sie anfleht, nicht aufzugeben, der sagt, dass sie wichtig sind, dass es
für alle jemanden gibt, der sie liebt. und sie würden es niemals zeigen,
aber das ist, weswegen sie hier sind, und warum sie immer wieder hier
herkommen. sie brauchen diese worte, die sie zurückbrüllen können, mit
denen sie sich alles von der seele schreien können. wo sie ihre gefühle
frei lassen können und verstanden werden können, wo sie da sind, wo
sie ein teil von etwas sind, ohne dass sie im einzelnen auffallen. und an
diesen abenden ist es, als ob tausend tote gemeinsam zum song "we are
alive" tanzen; in der hoffnung, es irgendwann selbst zu glauben, erhört
zu werden, erhört und erlöst von dem gott, den keiner kennt, und den
niemand benennen kann, weil er allein in ihren herzen existiert und nur
in ihnen allen zusammen leben, wirken und heilen, sie alle heilen kann.
die schwimmwesten befanden sich unter ihren sitzen
herbst, die zeit der romantik. paris, die stadt der liebe. jetzt riss sie herzlos
zwei liebende entzwei. sie standen mitten im gemenge am flughafen. er trug
shorts, sie ihren dicksten wintermantel. es war ein kalter abend. sein flug
sollte ins 9.000 kilometer weit entfernte japan führen. ob er auch wieder
zurückführen würde, war ungewiss. sie küsste ihn ein vorerst letztes mal
auf die wange, drückte ihn fest und wünschte ihm das übliche. er hingegen
sagte kein wort. auch sie äußerte kein "geh nicht!" oder ein letztes "ich
liebe dich", wie in diesen romantikkram-filmen. sein flug wurde ausgerufen.
er wand seine hand um den griff seines carbon-hartschalentrollis, machte
sich auf zu gehen. sie seufzte und sah ihm nach. da wandt er sich noch
einmal um, blickte sie kurz an. "würdest du mich heiraten?" er verzog
keine miene. er blinzelte nicht. sie musste gar nicht erst nachdenken und
nickte stumm. er erwiderte ihr nicken und verließ das terminal. für immer.
zwei liebende entzwei. sie standen mitten im gemenge am flughafen. er trug
shorts, sie ihren dicksten wintermantel. es war ein kalter abend. sein flug
sollte ins 9.000 kilometer weit entfernte japan führen. ob er auch wieder
zurückführen würde, war ungewiss. sie küsste ihn ein vorerst letztes mal
auf die wange, drückte ihn fest und wünschte ihm das übliche. er hingegen
sagte kein wort. auch sie äußerte kein "geh nicht!" oder ein letztes "ich
liebe dich", wie in diesen romantikkram-filmen. sein flug wurde ausgerufen.
er wand seine hand um den griff seines carbon-hartschalentrollis, machte
sich auf zu gehen. sie seufzte und sah ihm nach. da wandt er sich noch
einmal um, blickte sie kurz an. "würdest du mich heiraten?" er verzog
keine miene. er blinzelte nicht. sie musste gar nicht erst nachdenken und
nickte stumm. er erwiderte ihr nicken und verließ das terminal. für immer.
home
die ausgeleierten riemen und klettverschlüsse auf den risten meiner stiefel
halten nicht mehr besonders gut. ich ziehe sie fester, bis sie nicht mehr
wieder zurückfallen. meine abgetragene cordhose lässt sich nur mühsam
über die stiefel streifen. das scheunentor quietscht unheilvoll, als ich es
mit beiden händen aufschiebe. aber der wind pfeift so um meinen kopf,
dass ich es kaum höre. das sanfte knacken des feuchten strohs unter
meinen sohlen wird auch vom wind verschluckt. mein kinn juckt unter
meinem eigenwilligen bartansatz aus graubraunen haarstoppeln. vielleicht
ist das doch keine so gute idee. vielleicht sollte ich sofort umkehren.
solange ich noch kann. aber was dann? ich hab' keine wahl. mein kopf
brummt vor bedenken. ich spüre das alles, aber ich nehme es nicht wahr.
ich habe nur ein einziges wort im kopf, ein bild mehr, einen impuls; es
schwebt hin und her und scheint vor dringlichkeit aufzuleuchten. es ist
ein verlangen, eine begierde, ein bedürfnis, verzweiflung. ich taste mich
langsam durch die dunkle scheune, in die bei dämmerung schon kein
licht mehr fällt. etwas glänzt dennoch. beide hände können etwas festes
umfassen und mit einem ruck schwinge ich ein bein gekonnt über die
alte kawasaki w650. amalfiweiß-fuchsrotes blech lächelt mir entgegen.
ich schiebe die maschine in den hof. kam mir nie so schwer vor, das
ding. das leder des sitzes ist kalt, aber weich. und der verchromte lenker
ist verstaubt, doch er räkelt sich elegant wie eh und je von meiner einen
hand in die andere. ich rüttele eine weile an dem reißverschluss meiner
collegejacke herum und ziehe ihn schließlich bis zum hals zu. den helm
habe ich schon seit ein paar minuten auf, damit ich mich an das gewicht
gewöhne, was mir nicht so recht gelingt. er ist etwas zu klein und auf
der oberfläche verkratzt, eben gezeichnet von den alten tagen - nicht
mehr, als ich es bin. ich fühle mich ein bisschen albern, weil er mir die
backen zusammendrückt. ich will mich im seitenspiegel begutachten,
aber mein erster blick fällt nur in ein mosaik aus scherben, schwenkt
dann nach rechts und in den anderen spiegel. ich wirke lässig mit dem
gleichgültigen auftreten. lädierte klamotten, aber ein neues leuchten in
den grauen augen. ich setze die rechte sohle auf die fußraste und
verlagere mein gewicht nach links. das motorrad ist unter mir gar nicht
mehr schwer, aber ich habe mühe, mein gleichgewicht zu halten. ich
muss jede einzelne tasche nach dem schlüssel absuchen und finde ihn
nach dem dritten durchgang endlich in meiner ausgebeulten rechten
jackentasche unter dem hausschlüssel und einer schachtel zigaretten,
in der sich nur noch ein feuerzeug mit dem abbild einer ziemlich leicht
bekleideteten jungen dame findet. sie kniet an einer tanzstange und
blickt mich von unten an, als ich es in der hand hin- und herdrehe. ich
stecke es zurück in die schachtel, die schachtel in die tasche, den
hausschlüssel hinterher und den schlüssel schließlich ins zündschloss.
irgendetwas blockiert, als ich versuche, ihn zu drehen, aber ohne
weiter viel gewalt anwenden zu müssen, rutscht der schlüssel plötzlich
bis zum anschlag herum. ich habe es nicht eilig, zumindest nicht
wirklich, nicht, was eine uhrzeit betrifft, doch ich werde trotzdem
ungeduldig, weil ich glaube, dass ich irgendwohin muss. zu keinem
bestimmten ziel, aber auf jeden fall weg. weg von hier. ich drehe den
gasgriff in richtung meiner brust. mein herz schlägt schneller, als der
motor laut aufheult. kurz danach schnurrt er nur noch genüsslich,
während ich angestrengt mit der kupplung kämpfe. linker fuß. erster
gang. licht an. visier zu. langsam anfahren. und scharf links abbiegen.
über einen kleinen landwirtschaftlichen pfad streune ich langsam der
hauptstraße entgegen. hier herrscht so spät kein verkehr mehr. nach
und nach gebe ich mich der beschleunigung hin und für einen augenblick
scheint es, als würde die maschine ganz von selbst fahren. meile für
meile und serpentine für serpentine. links der abhang und geröll, rechts
nur felswand. an der leitplanke erinnerungen an andere solcher ausflüge.
ob ich angst habe? hm. sollte ich denn?
es wird immer dunkler und die luft zu dunst. ich werfe die nebelscheinwerfer
an. der vorderreifen hält die spur wie von selbst, meine hand ruht auf dem
gashebel. alles läuft einfach so. meine gedanken schweifen ab ins nichts. sie
fliegen an mir vorbei, aber ich kann sie nicht festhalten. apathisch starre ich
geradeaus, erwache erst, als ein voll beladener lastwagen mich blendet und
ohrenbetäubend laut vorbeirauscht.
- - -
meine füße gehen wie von allein, laufen, werden immer schneller, ich kann
mein gleichgewicht kaum halten. meine knie schlagen immer wieder
aneinander. meine sohlen gleiten über das taugras, schweben über die
wurzeln im boden. das rostige tor steht weit offen, doch kein licht findet
sich hier. nicht, das ich das bräuchte. mein gefühl bringt mich zu ihr. und
vor ihrem grabstein falle ich zwischen tausend anderen auf die knie. alle
bilder rasen vor meinen augen vorbei und fort und mit ihnen jeder zweifel.
ein finger auf dem abzug, ein einziger schuss und alles ist endgültig vorbei.
wir sind jetzt zusammen, für immer. und wir sind frei. für immer.
halten nicht mehr besonders gut. ich ziehe sie fester, bis sie nicht mehr
wieder zurückfallen. meine abgetragene cordhose lässt sich nur mühsam
über die stiefel streifen. das scheunentor quietscht unheilvoll, als ich es
mit beiden händen aufschiebe. aber der wind pfeift so um meinen kopf,
dass ich es kaum höre. das sanfte knacken des feuchten strohs unter
meinen sohlen wird auch vom wind verschluckt. mein kinn juckt unter
meinem eigenwilligen bartansatz aus graubraunen haarstoppeln. vielleicht
ist das doch keine so gute idee. vielleicht sollte ich sofort umkehren.
solange ich noch kann. aber was dann? ich hab' keine wahl. mein kopf
brummt vor bedenken. ich spüre das alles, aber ich nehme es nicht wahr.
ich habe nur ein einziges wort im kopf, ein bild mehr, einen impuls; es
schwebt hin und her und scheint vor dringlichkeit aufzuleuchten. es ist
ein verlangen, eine begierde, ein bedürfnis, verzweiflung. ich taste mich
langsam durch die dunkle scheune, in die bei dämmerung schon kein
licht mehr fällt. etwas glänzt dennoch. beide hände können etwas festes
umfassen und mit einem ruck schwinge ich ein bein gekonnt über die
alte kawasaki w650. amalfiweiß-fuchsrotes blech lächelt mir entgegen.
ich schiebe die maschine in den hof. kam mir nie so schwer vor, das
ding. das leder des sitzes ist kalt, aber weich. und der verchromte lenker
ist verstaubt, doch er räkelt sich elegant wie eh und je von meiner einen
hand in die andere. ich rüttele eine weile an dem reißverschluss meiner
collegejacke herum und ziehe ihn schließlich bis zum hals zu. den helm
habe ich schon seit ein paar minuten auf, damit ich mich an das gewicht
gewöhne, was mir nicht so recht gelingt. er ist etwas zu klein und auf
der oberfläche verkratzt, eben gezeichnet von den alten tagen - nicht
mehr, als ich es bin. ich fühle mich ein bisschen albern, weil er mir die
backen zusammendrückt. ich will mich im seitenspiegel begutachten,
aber mein erster blick fällt nur in ein mosaik aus scherben, schwenkt
dann nach rechts und in den anderen spiegel. ich wirke lässig mit dem
gleichgültigen auftreten. lädierte klamotten, aber ein neues leuchten in
den grauen augen. ich setze die rechte sohle auf die fußraste und
verlagere mein gewicht nach links. das motorrad ist unter mir gar nicht
mehr schwer, aber ich habe mühe, mein gleichgewicht zu halten. ich
muss jede einzelne tasche nach dem schlüssel absuchen und finde ihn
nach dem dritten durchgang endlich in meiner ausgebeulten rechten
jackentasche unter dem hausschlüssel und einer schachtel zigaretten,
in der sich nur noch ein feuerzeug mit dem abbild einer ziemlich leicht
bekleideteten jungen dame findet. sie kniet an einer tanzstange und
blickt mich von unten an, als ich es in der hand hin- und herdrehe. ich
stecke es zurück in die schachtel, die schachtel in die tasche, den
hausschlüssel hinterher und den schlüssel schließlich ins zündschloss.
irgendetwas blockiert, als ich versuche, ihn zu drehen, aber ohne
weiter viel gewalt anwenden zu müssen, rutscht der schlüssel plötzlich
bis zum anschlag herum. ich habe es nicht eilig, zumindest nicht
wirklich, nicht, was eine uhrzeit betrifft, doch ich werde trotzdem
ungeduldig, weil ich glaube, dass ich irgendwohin muss. zu keinem
bestimmten ziel, aber auf jeden fall weg. weg von hier. ich drehe den
gasgriff in richtung meiner brust. mein herz schlägt schneller, als der
motor laut aufheult. kurz danach schnurrt er nur noch genüsslich,
während ich angestrengt mit der kupplung kämpfe. linker fuß. erster
gang. licht an. visier zu. langsam anfahren. und scharf links abbiegen.
über einen kleinen landwirtschaftlichen pfad streune ich langsam der
hauptstraße entgegen. hier herrscht so spät kein verkehr mehr. nach
und nach gebe ich mich der beschleunigung hin und für einen augenblick
scheint es, als würde die maschine ganz von selbst fahren. meile für
meile und serpentine für serpentine. links der abhang und geröll, rechts
nur felswand. an der leitplanke erinnerungen an andere solcher ausflüge.
ob ich angst habe? hm. sollte ich denn?
es wird immer dunkler und die luft zu dunst. ich werfe die nebelscheinwerfer
an. der vorderreifen hält die spur wie von selbst, meine hand ruht auf dem
gashebel. alles läuft einfach so. meine gedanken schweifen ab ins nichts. sie
fliegen an mir vorbei, aber ich kann sie nicht festhalten. apathisch starre ich
geradeaus, erwache erst, als ein voll beladener lastwagen mich blendet und
ohrenbetäubend laut vorbeirauscht.
- - -
meine füße gehen wie von allein, laufen, werden immer schneller, ich kann
mein gleichgewicht kaum halten. meine knie schlagen immer wieder
aneinander. meine sohlen gleiten über das taugras, schweben über die
wurzeln im boden. das rostige tor steht weit offen, doch kein licht findet
sich hier. nicht, das ich das bräuchte. mein gefühl bringt mich zu ihr. und
vor ihrem grabstein falle ich zwischen tausend anderen auf die knie. alle
bilder rasen vor meinen augen vorbei und fort und mit ihnen jeder zweifel.
ein finger auf dem abzug, ein einziger schuss und alles ist endgültig vorbei.
wir sind jetzt zusammen, für immer. und wir sind frei. für immer.
if it's not like the movies, that's how it should be
dämmerung. leere straßen. kalter wind. grauer himmel, eine einzige riesige
wolke. der regen wird immer stärker. ich genieße es jetzt fast. und donner
irgendwo. in meinen schuhen steht das wasser. meine füße sind so nass,
dass sie sich beinahe schon wieder warm anfühlen. wie die plörre in den
pfützen. die luft ist so feucht. ich habe kein ziel, aber gehe mit gleichmäßig
zügigem schritt. ein blitz hinter mir. ich erschrecke nicht. nichts hält mich
auf. manchmal kreuzt jemand meinen weg und ich lächele. gar nicht mit
absicht. ohne grund, hintergedanken und jegliche erwartungshaltung. ja,
einfach so. mein lächeln muss ein bitteres lächeln sein. doch sie grinsen
manchmal zurück und erhellen für einen kleinen moment den todgrauen
asphalt, den grauen himmel, die grauen häuser und die grauen gesichter
in dieser stadt, in der jedes lachen verklingt. wo fröhlichkeit ein unwort
ist. ein ort, an dem jeder lediglich funktioniert. ständig. wo die gedanken
unausgesprochen und freunde immer fremde bleiben. und dann kommt
die wut wieder hoch. oder die enttäuschung, weil nichts nach plan läuft.
und deswegen lasse ich mich heute einfach treiben. ohne nachzudenken.
ohne weiterzudenken als bis zum nächsten schritt. ich kann das gefühl
nicht zuordnen, ich weiß nichtmal, ob ich das überhaupt wirklich fühle,
oder ob mein blut nur so in den adern pulsiert, weil zu viel leben in mir
ist, das ich nicht leben kann. das ich nicht leben darf. will es rauslassen.
ich will es hinausschreien oder mir den bauch aufschlitzen, es muss raus
hier, die energie lähmt mich, macht mich müde, ich kann nicht mehr und
liege am boden. in der dämmerung auf dieser leeren straße. in kaltem
wind. unter grauem himmel. neben mir glasscherben. ich nehme mir die
größte und drehe sie eine weile in meiner hand. ich habs. endlich. das
ist die idee. ein instinkt. reflex aus verzweiflung. ich habs. der schlüssel.
wolke. der regen wird immer stärker. ich genieße es jetzt fast. und donner
irgendwo. in meinen schuhen steht das wasser. meine füße sind so nass,
dass sie sich beinahe schon wieder warm anfühlen. wie die plörre in den
pfützen. die luft ist so feucht. ich habe kein ziel, aber gehe mit gleichmäßig
zügigem schritt. ein blitz hinter mir. ich erschrecke nicht. nichts hält mich
auf. manchmal kreuzt jemand meinen weg und ich lächele. gar nicht mit
absicht. ohne grund, hintergedanken und jegliche erwartungshaltung. ja,
einfach so. mein lächeln muss ein bitteres lächeln sein. doch sie grinsen
manchmal zurück und erhellen für einen kleinen moment den todgrauen
asphalt, den grauen himmel, die grauen häuser und die grauen gesichter
in dieser stadt, in der jedes lachen verklingt. wo fröhlichkeit ein unwort
ist. ein ort, an dem jeder lediglich funktioniert. ständig. wo die gedanken
unausgesprochen und freunde immer fremde bleiben. und dann kommt
die wut wieder hoch. oder die enttäuschung, weil nichts nach plan läuft.
und deswegen lasse ich mich heute einfach treiben. ohne nachzudenken.
ohne weiterzudenken als bis zum nächsten schritt. ich kann das gefühl
nicht zuordnen, ich weiß nichtmal, ob ich das überhaupt wirklich fühle,
oder ob mein blut nur so in den adern pulsiert, weil zu viel leben in mir
ist, das ich nicht leben kann. das ich nicht leben darf. will es rauslassen.
ich will es hinausschreien oder mir den bauch aufschlitzen, es muss raus
hier, die energie lähmt mich, macht mich müde, ich kann nicht mehr und
liege am boden. in der dämmerung auf dieser leeren straße. in kaltem
wind. unter grauem himmel. neben mir glasscherben. ich nehme mir die
größte und drehe sie eine weile in meiner hand. ich habs. endlich. das
ist die idee. ein instinkt. reflex aus verzweiflung. ich habs. der schlüssel.
[m]onst[e]r
melancholische stimmung. ich bin traurig ohne grund. das ärgert mich. bin
nun richtig wütend, weil ich traurig bin. ein schlag gegen den türrahmen.
kann den schmerz nicht fühlen. nochmal. immer wieder. faust. türrahmen.
lasse die hand in meinem zimmer durch die regalfächer streifen. schneide
mich an einer buchseite. alles liegt auf dem boden. ich hasse unordnung.
irgendetwas liegt zu meinen füßen. ich schiebe meinen rist darunter, dann
fliegt es gegen das fenster. mehr chaos macht mich aggressiver. ich hasse
unordnung so sehr. jetzt liegt das regal quer im zimmer auf dem boden,
ich stehe in gerümpel. muss hier weg. auf ins bad. ich lege mich auf die
kalten fliesen, schließe die augen, bleibe nur kurz liegen, springe wieder
auf und klettere in die dusche. mit kleidern. meine jeans saugt sich mit
brühend heißem wasser voll. ich bade in schande. es ist viel zu heiß, das
t-shirt brennt sich auf meinen rücken. ich versuche mit verzweiflung alles
schlechte, das böse wegzuspülen und bleibe ohne erfolg. alles ist so, so
hässlich hier! so unerträglich hässlich. ich schreite triefend nass durch die
wohnung und schlage alle spiegel ein. ich werde zum wilden tier, bilde
mir ein, auf vier beinen zu gehen. kann mich brüllen hören. es ist alles zu
viel. ein spiegel nach dem anderen. mit den klauen, mit den pranken, mit
der stirn. ich verliere mich in rage. kopf aus. welt aus. ich kehre zurück
ins badezimmer und reiße das fenster auf, dann drehe ich mich um und
plötzlich: erleichterung. erlösung. freiheit. und unordnung. und chaos.
und scherben. und wasser. und blut überall. verdammt, so viel blut hier!
nun richtig wütend, weil ich traurig bin. ein schlag gegen den türrahmen.
kann den schmerz nicht fühlen. nochmal. immer wieder. faust. türrahmen.
lasse die hand in meinem zimmer durch die regalfächer streifen. schneide
mich an einer buchseite. alles liegt auf dem boden. ich hasse unordnung.
irgendetwas liegt zu meinen füßen. ich schiebe meinen rist darunter, dann
fliegt es gegen das fenster. mehr chaos macht mich aggressiver. ich hasse
unordnung so sehr. jetzt liegt das regal quer im zimmer auf dem boden,
ich stehe in gerümpel. muss hier weg. auf ins bad. ich lege mich auf die
kalten fliesen, schließe die augen, bleibe nur kurz liegen, springe wieder
auf und klettere in die dusche. mit kleidern. meine jeans saugt sich mit
brühend heißem wasser voll. ich bade in schande. es ist viel zu heiß, das
t-shirt brennt sich auf meinen rücken. ich versuche mit verzweiflung alles
schlechte, das böse wegzuspülen und bleibe ohne erfolg. alles ist so, so
hässlich hier! so unerträglich hässlich. ich schreite triefend nass durch die
wohnung und schlage alle spiegel ein. ich werde zum wilden tier, bilde
mir ein, auf vier beinen zu gehen. kann mich brüllen hören. es ist alles zu
viel. ein spiegel nach dem anderen. mit den klauen, mit den pranken, mit
der stirn. ich verliere mich in rage. kopf aus. welt aus. ich kehre zurück
ins badezimmer und reiße das fenster auf, dann drehe ich mich um und
plötzlich: erleichterung. erlösung. freiheit. und unordnung. und chaos.
und scherben. und wasser. und blut überall. verdammt, so viel blut hier!
auge um auge
schritt. schritt. schritt. gleich hat er den hügel überwunden. die abstände
zwischen den häusern werden immer kleiner. rechts und links von ihm
leuchten straßenlaternen auf. die sonne geht gerade unter und der wind
dreht. jetzt riecht er den löwenzahn und das wiesenschaumkraut von
den grasflächen her. er zieht seine kapuze mit einer hand über den kopf.
der himmel ist klar und es wird wohl eine kalte nacht werden, doch
solange er sein tempo hält, friert er nicht. alle paar schritte schlurft ein
turnschuh über den trockenen asphalt. er atmet tief ein und aus, als er
weiter in die vorstadt hineinläuft. hier und da riecht es aus den kleinen
küchen und esszimmern nach gebratenem fleisch und dampfendem
kartoffelpüree, er kann es förmlich schmecken. vor einer scheune
spielen kinder im stroh. so klischeehaft! und am wochenende ist das
ein ort der familie. alle sind zu hause bei ihren glücklichen familien und
sind noch glücklicher als sonst, weil sie zusammen sind. er merkt nicht,
dass ihn der anblick der reihenhäuser und gestutzen hecken rührt. die
seine sehnsucht spürt er nur als wut. aggression. sie wächst, blind, und
er läuft nun schneller, den blick starr nach vorn gen horizont gerichtet,
den er vor häusern und bäumen gar nicht sehen kann. und dann diese
luft. so sauber, dass er husten muss. kein blick zurück, er fühlt sich
völlig sicher. wie ein fremder, ein eindringling, aber völlig unauffällig.
wer könnte hier böses erwarten? seine fahle haut und die farbe seiner
jacke verschmilzt mit dem grau des straßenbelags. langsam, vorsichtig
schiebt er seine kalte hand in seine ausgebeulte jackentasche, um zu
überprüfen, ob es noch da ist - das penibel polierte fleischermesser.
zwischen den häusern werden immer kleiner. rechts und links von ihm
leuchten straßenlaternen auf. die sonne geht gerade unter und der wind
dreht. jetzt riecht er den löwenzahn und das wiesenschaumkraut von
den grasflächen her. er zieht seine kapuze mit einer hand über den kopf.
der himmel ist klar und es wird wohl eine kalte nacht werden, doch
solange er sein tempo hält, friert er nicht. alle paar schritte schlurft ein
turnschuh über den trockenen asphalt. er atmet tief ein und aus, als er
weiter in die vorstadt hineinläuft. hier und da riecht es aus den kleinen
küchen und esszimmern nach gebratenem fleisch und dampfendem
kartoffelpüree, er kann es förmlich schmecken. vor einer scheune
spielen kinder im stroh. so klischeehaft! und am wochenende ist das
ein ort der familie. alle sind zu hause bei ihren glücklichen familien und
sind noch glücklicher als sonst, weil sie zusammen sind. er merkt nicht,
dass ihn der anblick der reihenhäuser und gestutzen hecken rührt. die
seine sehnsucht spürt er nur als wut. aggression. sie wächst, blind, und
er läuft nun schneller, den blick starr nach vorn gen horizont gerichtet,
den er vor häusern und bäumen gar nicht sehen kann. und dann diese
luft. so sauber, dass er husten muss. kein blick zurück, er fühlt sich
völlig sicher. wie ein fremder, ein eindringling, aber völlig unauffällig.
wer könnte hier böses erwarten? seine fahle haut und die farbe seiner
jacke verschmilzt mit dem grau des straßenbelags. langsam, vorsichtig
schiebt er seine kalte hand in seine ausgebeulte jackentasche, um zu
überprüfen, ob es noch da ist - das penibel polierte fleischermesser.
$ 3,80,-
ich saß wie immer auf dem dritten hocker von links am tresen einer dieser
heruntergekommenen, dunklen und völlig zugequalmten pubs, in denen
man in erster linie frustrierte mittvierzigerkerle antrifft, die nichts besseres
mit ihrer zeit anzufangen wissen, als mit anderen typen, die sie weder
wirklich kennen, noch irgend mögen, skat zu spielen - um geld, das sie
nicht haben. ich mag den barhocker, weil er etwas wackelt und etwa in
der mitte der hölzernen sitzplatte kunstvoll irgendein symbol eingekerbt
ist. das macht ihn für mich interessant, aber vielleicht ist das ja auch der
grund, warum niemand auf ihm sitzen will, weil er makel hat. in dieser
kneipe gibt es schon genug wesen mit makeln. und genau deshalb ist
der hocker wohl auch immer frei, wenn ich die schwere schwenktür
aufschiebe und meine augen zusammenkneife, um sie gegen die wand
aus kneipengestank zu schützen und um durch den grauen nebel etwas
sehen zu können. so zum beispiel die beiden herren am tisch gleich
neben dem eingang, vater und sohn, schätze ich. sie treffen sich hier
einmal im monatlich und hassen es beide, aber keiner traut sich, das
dem anderen zu sagen. am stammtisch betrunkene nicht-ernährer
zerbrochener familien in teuren jeans und versifften unterhemden.
irgendwo verzehrt ein junges paar mit ihrem nachwuchs die einzige
ihnen erschwingliche warme mahlzeit. der pub ist eine gute gelegenheit,
mit wenig geld schnell ziemlich satt zu werden. schau mal, hier kommt
das flugzeug... das baby hat spaß. doch ihr halbfröhliches lachen geht
im allgemeinen gemurmel und im fluchen des mannes unter, der drauf
und dran ist, sein gesamtes erspartes am einarmigen banditen in der
hinteren ecke des lokals zu verlieren. kein kinderlachen könnte die
stimmung hier heben. und das ist gut so, denn die leute hier brauchen
den qualm aus hoffnungslosigkeit. die jukebox spielt underground-
jazz der zwanziger, leise, denn musik interessiert hier niemanden. ein
student versucht, sich in all dem trubel in ruhe auf sein dickes buch
zu konzentrieren, wo er es zu hause doch nicht kann. der typ mit
schnauzer hinter dem tresen fragt jedes mal, mit was er mir etwas
gutes tun könne. trotz böser miene wirkt er recht freundlich, naja,
zumindest höflich, und jedes mal gebe ich dieselbe bestellung auf,
immer in einem wort: bier. und hier versteht man das. er nickt, legt
den schmuddeligen lappen aus der hand und wirft ihn sich über die
schulter, sucht ein nicht allzu schmutziger glas und stellt mir kurze
zeit später ein lauwarmes halbes vor die nase. während ich warte,
bis die schaumkrone, die die gesamte obere hälfte meines glases
einnimmt, zurückgeht, sehe ich mich um und beobachte die vielen
einzelnen, eigenen kleinen welten um mich herum, wie ich es hier
immer tue. man könnte fast sagen, wir alle sind eine große familie.
zwar sind wir untereinander fremd, aber doch kennt man sich und
wir sind im prinzip alle aus demselben grund hier. weil das die
atmosphäre ist, die wir jetzt brauchen. und vielleicht, weil man
sich manchmal nicht mehr ganz so schlecht fühlt, sobald man sich
einmal umgesehen hat und erkennt, dass es anderen noch mieser
geht. das ein oder andere mal beginnt man nachzudenken und
meistens ist einem damit schon geholfen. jeder trägt seine eigene
geschichte mit sich herum, und es steht niemandem zu, sich zu
beschweren. denn in einem punkt sind wir uns letztendlich alle
gleich: wir haben irgendwann auf dem weg unsere seele verloren.
heruntergekommenen, dunklen und völlig zugequalmten pubs, in denen
man in erster linie frustrierte mittvierzigerkerle antrifft, die nichts besseres
mit ihrer zeit anzufangen wissen, als mit anderen typen, die sie weder
wirklich kennen, noch irgend mögen, skat zu spielen - um geld, das sie
nicht haben. ich mag den barhocker, weil er etwas wackelt und etwa in
der mitte der hölzernen sitzplatte kunstvoll irgendein symbol eingekerbt
ist. das macht ihn für mich interessant, aber vielleicht ist das ja auch der
grund, warum niemand auf ihm sitzen will, weil er makel hat. in dieser
kneipe gibt es schon genug wesen mit makeln. und genau deshalb ist
der hocker wohl auch immer frei, wenn ich die schwere schwenktür
aufschiebe und meine augen zusammenkneife, um sie gegen die wand
aus kneipengestank zu schützen und um durch den grauen nebel etwas
sehen zu können. so zum beispiel die beiden herren am tisch gleich
neben dem eingang, vater und sohn, schätze ich. sie treffen sich hier
einmal im monatlich und hassen es beide, aber keiner traut sich, das
dem anderen zu sagen. am stammtisch betrunkene nicht-ernährer
zerbrochener familien in teuren jeans und versifften unterhemden.
irgendwo verzehrt ein junges paar mit ihrem nachwuchs die einzige
ihnen erschwingliche warme mahlzeit. der pub ist eine gute gelegenheit,
mit wenig geld schnell ziemlich satt zu werden. schau mal, hier kommt
das flugzeug... das baby hat spaß. doch ihr halbfröhliches lachen geht
im allgemeinen gemurmel und im fluchen des mannes unter, der drauf
und dran ist, sein gesamtes erspartes am einarmigen banditen in der
hinteren ecke des lokals zu verlieren. kein kinderlachen könnte die
stimmung hier heben. und das ist gut so, denn die leute hier brauchen
den qualm aus hoffnungslosigkeit. die jukebox spielt underground-
jazz der zwanziger, leise, denn musik interessiert hier niemanden. ein
student versucht, sich in all dem trubel in ruhe auf sein dickes buch
zu konzentrieren, wo er es zu hause doch nicht kann. der typ mit
schnauzer hinter dem tresen fragt jedes mal, mit was er mir etwas
gutes tun könne. trotz böser miene wirkt er recht freundlich, naja,
zumindest höflich, und jedes mal gebe ich dieselbe bestellung auf,
immer in einem wort: bier. und hier versteht man das. er nickt, legt
den schmuddeligen lappen aus der hand und wirft ihn sich über die
schulter, sucht ein nicht allzu schmutziger glas und stellt mir kurze
zeit später ein lauwarmes halbes vor die nase. während ich warte,
bis die schaumkrone, die die gesamte obere hälfte meines glases
einnimmt, zurückgeht, sehe ich mich um und beobachte die vielen
einzelnen, eigenen kleinen welten um mich herum, wie ich es hier
immer tue. man könnte fast sagen, wir alle sind eine große familie.
zwar sind wir untereinander fremd, aber doch kennt man sich und
wir sind im prinzip alle aus demselben grund hier. weil das die
atmosphäre ist, die wir jetzt brauchen. und vielleicht, weil man
sich manchmal nicht mehr ganz so schlecht fühlt, sobald man sich
einmal umgesehen hat und erkennt, dass es anderen noch mieser
geht. das ein oder andere mal beginnt man nachzudenken und
meistens ist einem damit schon geholfen. jeder trägt seine eigene
geschichte mit sich herum, und es steht niemandem zu, sich zu
beschweren. denn in einem punkt sind wir uns letztendlich alle
gleich: wir haben irgendwann auf dem weg unsere seele verloren.
zu lisa dickreiters "vom atmen unter wasser"
als ich das zimmer betrat, war es bereits zwei uhr am mittag. sie vergrub ihr
gesicht in einem berg aus kissen, als ich etwas licht durch die rolladen ließ.
ich setzte mich neben sie aufs bett und streichelte sanft ihre schulter. stumm
hatte sie mir den rücken zugekehrt. ihre haare hingen wild über den alten
hellblauen snoopy-samtpyjama, der etwas unter der decke hervorschien.
in einer fließenden bewegung setzte sie sich unerwartet auf, sah mich mit
ihren verquollenen augen an und erwiderte meinen erst mitleidigen, dann
vorwurfsvollen blick mit einem mechanischen nicken. ich verließ den raum
in dem schwarzen anzug, den ich mir für sarahs beerdigung geliehen hatte.
vor dem spiegel an der schranktür entwirrte ich meine einzige krawatte
und versuchte krampfhaft, mich daran zu erinnern, wie der knoten doch
gleich zu binden war. es wollte mir nicht gelingen und ich suchte erika um
rat. ich schob die badezimmertür auf, die einen spalt offen gestanden
hatte, und fand sie mit beiden händen am waschbecken aufgestützt, die
stirn an den spiegel gelehnt. wir waren spät dran, simon wartete schon
im flur. erika packte hastig und unwillkürlich diverses kleinod in ihre
kleine gelbe handtasche, bis sie fast voll war, aber als ich gerade die tür
hinter uns schließen wollte, stieß sie mich grob beiseite und stellte die
tasche auf die garderobe. sie rückte ihren zerknitterten blazer zurecht,
der ihr erschreckend gut stand. vielleicht nur, da auch sie selbst etwas
zerknittert aussah. entschlossen nahm sie die extragroße packung mit
den papiertaschentüchern aus der tasche und warf sie lieblos auf das
parkett, bevor sie mir kurz zunickte und ich glaubte, ein lächeln auf
ihren lippen gesehen zu haben, ehe sie einmal tief ein- und ausatmete
und schließlich erhobenen kopfes voranging.
gesicht in einem berg aus kissen, als ich etwas licht durch die rolladen ließ.
ich setzte mich neben sie aufs bett und streichelte sanft ihre schulter. stumm
hatte sie mir den rücken zugekehrt. ihre haare hingen wild über den alten
hellblauen snoopy-samtpyjama, der etwas unter der decke hervorschien.
in einer fließenden bewegung setzte sie sich unerwartet auf, sah mich mit
ihren verquollenen augen an und erwiderte meinen erst mitleidigen, dann
vorwurfsvollen blick mit einem mechanischen nicken. ich verließ den raum
in dem schwarzen anzug, den ich mir für sarahs beerdigung geliehen hatte.
vor dem spiegel an der schranktür entwirrte ich meine einzige krawatte
und versuchte krampfhaft, mich daran zu erinnern, wie der knoten doch
gleich zu binden war. es wollte mir nicht gelingen und ich suchte erika um
rat. ich schob die badezimmertür auf, die einen spalt offen gestanden
hatte, und fand sie mit beiden händen am waschbecken aufgestützt, die
stirn an den spiegel gelehnt. wir waren spät dran, simon wartete schon
im flur. erika packte hastig und unwillkürlich diverses kleinod in ihre
kleine gelbe handtasche, bis sie fast voll war, aber als ich gerade die tür
hinter uns schließen wollte, stieß sie mich grob beiseite und stellte die
tasche auf die garderobe. sie rückte ihren zerknitterten blazer zurecht,
der ihr erschreckend gut stand. vielleicht nur, da auch sie selbst etwas
zerknittert aussah. entschlossen nahm sie die extragroße packung mit
den papiertaschentüchern aus der tasche und warf sie lieblos auf das
parkett, bevor sie mir kurz zunickte und ich glaubte, ein lächeln auf
ihren lippen gesehen zu haben, ehe sie einmal tief ein- und ausatmete
und schließlich erhobenen kopfes voranging.
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