"pass auf dich auf, du bist wichtig."

ich bin nicht ganz verkehrt.
wer hätte das gedacht?
sie hat mich so belehrt!
wie hat sie das gemacht?

ich denk', sie ist ein guter mensch, ein vortreffliches mädel.
würd' ihr gerne danken, vielleicht kommt das zu früh...
mich fesseln ihre augen. und ihr gang, er ist so edel!
noch niemand hat es so erspürt, wie ich innen drin glüh'.

ich bin ziemlich froh, dass sie mich jetzt gefunden hat.
was würd' ich ohne sie tun? sie versteht, was ich sage,
enden unsere wortgefechte doch immer im schach matt,
steht die echtheit meiner zuneigung völlig außer frage.

ihre bewegungen, so klar!
fühl' dich nicht beobachtet.
ihre worte, wunderbar.
du wirst sehr hochgeachtet!

ich weiß nicht, ob mir das annehmen und gar genießen zusteht.
du fühlst dich unverdient an, aber doch überwiegend richtig.
du bist immer zur stelle, wenn bei mir gar nichts mehr geht.
lass dir eins gesagt sein: du bist mir sehr, sehr wichtig.
               
                             

i'm leaving, i'm bleeding, i'm not kissing you goodbye

wenn ich drüber nachdenke, muss ich die hände zu fäusten ballen.
was immer auch passiert, meistens steh' ich nur daneben
und versuch' mit allen mitteln, nur nicht (negativ) aufzufallen
und versuch' auch, immer mindestens das mindeste zurückzugeben.

doch ich weiß nicht, wie das geht
und ich trau' mich nicht.
ob das jemand versteht?
nachhilfestunden? verzicht!

ich würd' es nie im leben auch nur wagen,
unter wirklich kaum einem gewöhnlichen umstand,
etwas wichtiges und bedeutendes laut zu sagen.
anstatt mit mir spricht man lieber mit einer wand.

ich wär' eigentlich ganz froh, würde mir mal jemand zeigen,
wie denken, mögen, sprechen, nehmen und geben funktioniert,
doch auch du wirst dich demnächst schon von mir abneigen
und dann hab' ich wieder eine nie entstandene zwischenmenschliche
                                                                  beziehung ruiniert.

ich zeig' mich niemals kritikbereit und einsichtig.
kannst du es mir sagen? wie kann ich das abstellen?
ich find' doch, was ich hier tu', selbst nicht richtig.
etwas licht ins dunkle zu bringen, würde meine welt erhellen.

aber niemand würde sich mühen wollen, mich zu lehren.
niemand glaubt, er kann meine beschränktheit zähmen.
ich wandle also weiter im finsteren und leeren
und muss das wohl so und unkommentiert hinnehmen.

solltest du bald also auch zu der erkenntnis kommen,
dass ich es nicht schaffe zu etwas zu taugen,
dann wisse: ich hab's längst wahrgenommen,
bereits erfahren und geseh'n mit eigenen augen.

ich würd' es gern ändern und mich wandeln,
denn niemand hat das so verdient.
ich hatte es nie so mit dem anbandeln.
der kommunikation hab' ich mich nie bedient!

     
             

lebensmotto

                                      
                                                                                                   anders
                                
                                         

ring

eines abends steht er auf einmal vor deiner tür -
mit blumen - und entschuldigt sich reumütig.
er fügt noch hinzu, er kann nun mal nichts dafür.
und mit einem mal wirst du wieder schießwütig.
             
es wird sich niemals ändern und er ebenso nicht,
was immer er auch sagen mag, und was er auch verspricht.
du kannst es nie wissen: lügt er dir gerade ins gesicht,
wenn er ankommt mit unschuldsmiene, pralinenpräsent und gedicht?
    
       

anders

mir wird heißkalt und ich fang' an zu zittern.
da ist es wieder, es überkommt mich erneut -
das gefühl, als würde es in mir gewittern.
dabei hab' ich mich zuvor so gefreut!
                  
                                           

over my head

du sprichst zu mir. man muss sich dich schon trauen,
sagst du, und drückst stolz aus mit den augenbrauen.
an die zukunft zu denken - mit dir - bereitet mir grauen.
würd' ich's dir sagen, könntest du mir noch vertrauen?
                    
                     

let love find you

manchmal muss man dinge sagen,
die man so vielleicht nicht meint.
die antwort muss man dann ertragen,
wenn's einem auch blöd erscheint.
                
                           

flaschendrehen - sachen sehen

wahrheit oder pflicht?
ist das am ende denn noch wichtig?
unwahrheiten gibt es nicht
und fragen sind stets richtig.

pflicht oder wahrheit?
willst du die wahrheit wirklich wissen?
ich bin dir alles zu erzählen bereit -
du wirst dein unwissen vermissen!
                
                     

unbekannt

(...) dichter (...) sind im tiefsten innern einsam. was sie tun, kann anderen
nützen, und dieser nutzen kann sie ermutigen, aber in den augenblicken,
in denen sie am intensivsten leben und der erfüllung dessen, was sie als
ihre funktion empfinden, am allernächsten kommen, denken sie nicht an
die übrige menschheit, sondern folgen einer vision.
               
                         

unbekannt

                            
                                                                       die liebe lebt, das neue kommt.
                  
                          

regen gebogen

so wie es regnet,
so regnet's in mir.
du bist gesegnet
und ich bin's mit dir.

               

liebe reimt sich auf triebe

an meinen kalten, toten händen
klebt dein süßes, totes blut,
an meinen kahlen, toten wänden -
und es schmeckt unfassbar gut.

du bist ein feines, edles exemplar.
ich will dich ganz zu meinem machen.
du lässt dich ein auf die heimliche gefahr,
ich verschwinde mit hämischem lachen.
            
              

ars mortis

ich sitz' im dunkeln auf dem bett,
die sonne hat gerade ferien.
ich fühl' mich hässlich und fett
und verprügel' kissen in serien.

kann mich nicht im spiegel sehen,
bin darüber auch ganz froh.
keinen einzigen schritt kann ich gehen
aber noch geht es ja auch so.

jeder knochen tut weh
und jeder muskel spannt.
kalte hände, steife zeh',
und die haut wie verbrannt.

ich hab' überhaupt keinen appetit,
der hunger geht mir auf die nerven.
ich will nicht essen, wie man sieht,
nur gern mit essen um mich werfen.

die experimente in einem topf,
die vorstellung lässt mich angeregt schwitzen,
bleiben experimente in meinem kopf
und ich bleib' auf meinem bett sitzen.

gedanken kreisen ohne rast,
zu schnell, um sie zu fassen.
ich hab' einen! na, hatte - fast.
ich fang' an, mich zu hassen.

ich starr' stundenlang an die wände.
ich kann von außen nichts fühlen,
doch innen scheints, als ob tausend hände
in meinen organen wühlen.

ich kann nicht aufhören zu weinen.
kann nicht genau sagen, warum.
ich sterbe, so will mir scheinen,
und komm' um die schmerzen nicht herum.
             
                            

blick

deine worte konnten mich nicht recht entzücken,
konnten nicht erreichen, dass sich etwas in mir rührt,
doch dafür das ein oder andere ins rechte licht rücken
und sie haben mir etwas wichtiges vor augen geführt.
               
                  

rahel varnhagen

            
                                                 was machen sie?
                                                 - nichts, ich lasse das leben auf mich regnen.
            
                                 

back to me

ich steh' heute früh auf,
hol' die winterjacke aus dem schrank.
geh' vor die tür und lauf',
setz' mich im park auf 'ne bank.

ich hab' keine gesellschaft,
außer ein paar stummen tauben.
ich hab' auch keine kraft,
mir ein schwätzchen zu erlauben.

der himmel ist weintraubengolden.
der herbst ist da, so heißt es.
die blätter fallen ehrenvoll, die holden,
sie haben ihren dienst geleistet.

das große blühen ist auch für mich vorüber.
die zeit kommt, in der ich vor kälte berst',
und dunkelheit, doch dieses mal bin ich klüger:
bleibe ruhig und wehr' mich gar nicht erst.

fang' die letzten sonnenstrahlen ein,
heb' sie auf für schlechte zeiten.
die werden ab jetzt nicht mehr selten sein.
erinnerungen kehren ein, mir kummer zu bereiten.
             
   

krieg

             
                                                                         - bis einer kriegt, was er will.
         
     

mein freund der schelm

er ist wirklich lustig, er hat einen echten humor,
albert herum und macht sich zum affen,
bringt auch der traurigsten lachen hervor -
wer außer ihm kann das schaffen?

und wenn er dich zur weißglut bringt
und glänzt im nervenreiben,
bist du es doch, die sich selbst zwingt,
ihm trotzdem treu zu bleiben.

er ist dein freund, weil es sich für euch beide lohnt.
die freundschaft ist schleimig, doch nie fade.
du glaubst, dass er in deinem herzen wohnt,
der heimlich versnobte, falsche mietnomade!
    
er sagt, was du willst, um dir zu gefallen
und will immer das sein, was du verlangst.
zeigt sich - dir zuliebe! - mit dir vor allen
und hat vor deinen ideen keine angst.

eins muss man ihm lassen: er ist ein kavalier.
zumindest solange man ihn anerkennt,
hilft er zuverlässig da und hier,
bis er dann plötzlich davonrennt.
  
du wirst immer das beste sein,
bis er etwas besseres findet.
hauptsache, er ist niemals allein -
er sagt doch, dass er sich gern bindet!
        
    
      

schach matt

du warst immer ein held.
du warst immer der gewinner.
ich war ein bauer auf dem feld,
ich war immer der spinner.
                
                

september

ich weiß nicht, wer sich jetzt schlechter fühlt.
ich kann nur sagen, ich bin aufgewühlt.
hab' das alles zwar längst kommen gesehen,
hätte nur niemals gedacht, du würdest wirklich gehen.
  
        

fakt

              
                                             wir sollten nicht rückwärts in die zukunft gehen.
              
                          

fakt

                      
                                   wenn 's drauf ankommt, kommt 's nicht mehr drauf an.
                

so

du fragst, was mein problem ist,
und "was soll das bitte heißen?"
das kannst du nicht verstehen!

dass du das größte für mich bist,
und es würde mich zerreißen,
dich in seinen armen zu sehen.
             
                    

hallo?

so geht es nicht weiter.
was hast du denn geglaubt?
ich hielt dich für gescheiter,
doch du hast dir zu viel erlaubt.
        
                   

e.x.

du willst nichts davon wissen,
weil dich gar nichts mehr berührt.
und dann sprichst du vom vermissen?
oh, wer weiß, wohin das führt...

du sagst, du willst auch gar nicht reden,
weil es am ende doch nichts bringt.
ich rede weiter. du sagst, du hasst jeden.
ich will nicht der sein, der dich zwingt.

doch willst du das - verwirrung stiften?
du sagtest, dass "uns" dir gefiel.
schaust, als willst du mich vergiften.
seit wann steht zwischen uns so viel?
             
wenn du frieden willst, greif' mich nicht an.
mir ist unsere lage nicht klar.
so kommen wir beide nicht voran.
hängst du an dem, was früher war?

entscheide dich endlich für eine seite.
ich kann nicht fühlen, was du denkst.
meinst du, dass ich dir ärger bereite?
was meint der blick, den du mir schenkst?

du kommst in deinem leben nicht zurecht?
warum hast du das nicht gleich gesagt?
deine wut trifft mich sehr ungerecht!
ich hätte meine bedürfnisse vertagt.

hättest du mich nur eingeweiht!
ich wagte selbst nicht zu fragen.
ich weiß nicht, ob man sowas verzeiht;
aber du musst es mir doch sagen.

ist das dein grund, mich jetzt zu meiden?
was hab' ich dir denn angetan?
sag nicht, ich sei sehr zu beneiden;
geriet mit dir auf die schiefe bahn.

nun sprich zu mir und sag die wahrheit.
willst du mich nicht helfen lassen?
vertrauen ist eine kostbarkeit.
wie kannst du mich nach all dem hassen?
       
du warst es, der das alles anfing.
dein sinneswandel war ein schreck.
du warst es, der so an mir hing.
wirfst du jetzt wortlos alles weg?

du musst das für dich selbst entscheiden,
in diesem punkt hast du die wahl.
ich war immer da, mit dir zu leiden,
doch dieses mal sei 's mir egal.
            

                                                       

(v)erkla(e)rung

was ist liebe? und was wahnsinn?
und wo ist der unterschied,
wenn ich beides mal von sinnen bin
und beides mal schmerzt jedes glied?
        
was heißt mögen und was heißt es nicht?
kann ich die wahrheit trennen von lügen?
welches ist denn nun das wahre gesicht?
und wer will mich - nicht - nur betrügen?

was ist sinn? und was sinnlichkeit?
wie kann die ähnlichkeit sein?
was ist wirklich wirklichkeit
und was bilde ich mir nur ein?

was ist wahr und was interpretation?
was steht mir zu? was ist ambition?
was ist angemessen und was überreaktion?
was ist fakt und was nur fiktion?
                        
was ist mut? und was übertreibung?
sag mir, wie viel soll ich geben?
schwärmerei oder nüchterne beschreibung -
was ist noch klar in diesem leben?
                       
                            

(l)overdose

zu viel.
zu viel.
zu viel.

zu viel.
zu viel.
zu viel

ist dir zu viel.
du bist zu viel.
und ich zu wenig.
               
      

secrets in stereo - tonight

             
                               tonight, i'll make you cry - 'cause you're laughing so hard.
                     
                                                           

alter freund

eigentlich mach' ich um dich immer gleich mehrere bögen.
doch irgendwie komm' ich immer wieder bei dir an.
ich kann es nicht mehr unterdrücken, dich tief im inneren zu mögen.
und ich will nicht mehr verbergen, dass ich dich doch leiden kann.
               
                             

abigail avenue

ich duckte mich und stieß mir dabei den kopf, schlang die arme um die beine
und stützte mein kinn auf die knie. da saß ich nun unter dem schreibtisch eines
bankangestellten, der vermutlich ein paar meter weiter im eingangsbereich auf
dem boden kauerte, regungslos sein gesicht in die hände barg und stoßgebete
gen himmel sendete, während die sirenen der polizeiautos weiter heulten und
die uniformierten cops ihre waffen weit vor sich gestreckt das bankgebäude
stürmten. "wo ist er?", hallte es aus jeder richtung. zuckende, aschfahle körper
in embryonalhaltung zu ihren füßen. niemand sagte ein wort und doch war die
unruhe gigantisch. es dröhnte in meinen ohren, ich hielt sie fester zu. schüsse
im foyer. wieder und wieder. ich schmeckte sand. und blut. schusswechsel.
gebrüll. tränen. patronenhagel. "scheiße, er haut ab! sichert die aufzüge und
die treppe vor dem haupteingang", wurde befohlen. ich hielt es nicht mehr
aus. ich hatte ihn zuvor noch nie benutzt, ich hatte ja nie grund dazu gehabt,
zog jetzt aber gekonnt den selbstverteidigungs-revolver aus der innentasche
meiner jeansjacke und rannte auch nach oben. ich leg' den kerl einfach um
und geh' danach wieder an die arbeit. so weit mein plan. ich erreichte den
letzten unbesetzten fahrstuhl vor dem keuchenden polizisten mit derselben
idee und fuhr in die oberste etage; der einzige fluchtweg konnte nur noch
über das dach verlaufen. der aufzug ging mir gewaltig auf die nerven, denn
ich schien kaum voranzukommen. fahrstuhlmusik erfüllte die kabine, der
teppich gab unter meinen füßen nach. ich spiegelte mich in der politur der
holzwände, aber ich erkannte mich nicht. schließlich doch noch oben
angekommen, brach ich den liftschaltkasten auf und durchtrennte einige
kabel. die anlage blieb stehen und die tür offen. ich wandte mich um, trat
über die schwelle und blickte plötzlich in einen pistolenlauf. "...du bist kein
cop", spuckte er mir ins gesicht. ein schlaksiger bursche stand da vor mir
und wusste wohl selber nicht, was er tat. ich war weder von schreck noch
von überraschung erfüllt, nur von ärger über diesen idioten. "nein. ein grund
mehr zur angst für dich, junge." ich schlug ihm in einem schwung mit meiner
knarre die waffe aus der hand, sie landete nach ihrem aufprall an der wand
ein paar ellen von dieser entfernt. damit hatte er nicht gerechnet. der miese
bankräuber sah sich panisch nach einem gegenstand um, mit dem er sich
noch wehren konnte. die chancen standen schlecht für ihn. aber ich ließ ihm
etwas zeit, denn langsam fand ich gefallen an diesem spiel, doch ich ließ ihn
nicht aus den augen. sehr zu meinem amusement und zum vorteil der polizei
zog sich das hin und her über einige sekunden. als absätze auf den stufen zu
hören waren, stürzte sich der unprofessionell maskierte jüngling spontan auf
mich, umklammerte meinen oberkörper und trat mir in die knie, bis wir alle
beide zu boden gingen. ich war nicht besonders stark und aus dieser nähe
konnte ich nicht schießen. er schlug wie ein mädchen. aber effizient. seine
fäuste rammten immer wieder meine rippen. wir rangen auf dem boden und
wir rangen nach luft, denn wir versuchten beide, den anderen zu würgen.
ich konnte nicht glauben, dass er mir ebenbürtig sei und redete mir ein, er
ahme mich nach. dabei bemühte ich mich, die schwachstellen zu treffen, die
er bei mir zu finden suchte. der erfolg schien auszubleiben und ich geriet
immer mehr in rage. und jetzt lag ich auch noch mit dem rücken auf dem
eiskalten steinboden unter ihm. eine horde blauhemdiger männer mit arg
wutverzerrten gesichtern stürmte auf uns zu. ich seufzte erleichtert, als sie
uns erblickten und ihren schritt noch beschleunigten. "da ist er!" - jemand
rempelte mich, packte meine schulter fest und brüllte mir ins gesicht. ich
hörte handschellen klicken. na endlich, dachte ich nur. doch das metall
umschlang nicht die dürren handgelenke des räubers, sondern meine. ich
konnte es nicht glauben, alles lief furchtbar schief und ich war zu sehr
überrumpelt, um etwas zu sagen. in diesem tumult hätte mich vermutlich
sowieso keiner gehört. nun hatten sie auch den idioten von räuber neben
mir entdeckt, rafften ihn auf und fragten, wer er sei. er stotterte, er wisse
es nicht, und klang dabei beeindruckend überzeugend. er hatte wohl
noch nicht ganz begriffen, was gerade um ihn geschah und schien selbst
mir auf einmal bemitleidenswert beschränkt. der kerl war entweder der
dümmste räuber oder der gewiefteste schurke, mit dem ich es je zu tun
hatte. nicht, dass das besonders viele gewesen wären. am liebsten hätte
ich ihm den mund zugehalten - einfach, weil ich nicht teil eines in diesem
maße zerreißend blöden momentes sein wollte. aber auch er war so aus
der fassung, dass er lediglich schweigend sitzen blieb. er atmete noch
schwerer als ich, keuchte, aber ich interessierte mich nicht weiter dafür.
nicht nur, weil mich zwei polizisten jetzt in richtung des zweiten, noch
funktionstüchtigen aufzugs stießen. zwei weitere kollegen folgten uns
wachend, aber als der rest um anweisung zum weiteren vorgehen mit
dem verbliebenen herren erbat, drehten sie sich allesamt um. beide
handschellen umschlangen meine arme, ein bulle hielt mich nur an der
verbindenden kette. mitsamt seiner aufmerksamkeit löste sich nun auch
sein vorher so fester griff. ich zögerte nicht, sondern riss mich sofort los
und rannte um fort. in aller eile überschlugen sich meine schritte um die
ecke und ich mich mit ihnen. ich stürzte die treppe hinab ins chaos. "er
haut ab!", rief man mir hinterher. das ging auch nicht an der zitternden
menge vorbei, die im foyer darauf wartete, dass etwas geschah; dass
man den ganoven fasste und sie endlich befreite. ich lag da und wollte
ihnen mitteilen, dass ich eigentlich der gute war, dass ich auf ihrer seite
stand. man hatte mich nur von da fortgerissen. ach, ein unerträgliches
dilemma! ich musste weg. und so geschah es. ich begann zu rennen und
weil gerade alle einsatzkräfte oben waren und nicht wussten, was sie tun
sollten, war der haupteingang offen und frei. niemand von den anderen
mehr oder minder beteiligten traute sich, mich anzugreifen; da fiel mir auf,
dass ich immer noch den revolver in der hand hatte. ich hatte ihn die ganze
zeit in meiner faust gehalten. blut lief mir den handrücken hinunter, doch
der revolver blitzte neu und schien verschmitzt zu grinsen. aber ich war
kein gewalttäter. ich war nur ein mann, der das geld nötig hatte, das er
bei seinem job verdiente, den er dafür allerdings erledigen musste, und
zwar so schnell wie möglich, damit der feierabend auch lang genug war.
ich rannte, dachte ich, jedoch hinkte ich mehr und brach nach einigen
schritten zusammen. einhundert augen folgten jeder meiner bewegungen.
das blut schoss durch meine adern, alles pochte vor schmerz. und vor
aufregung. ich glaubte, ich blutete auch am hinterkopf, immerhin war ich
eine marmortreppe hinuntergekugelt. erst jetzt merkte ich, wie sich alles
drehte. ich kroch zur tür, oder kugelte nur im kreis. ich wusste nicht mehr,
ob ich mich überhaupt bewegte. und ich fühlte mich bei dieser misslichen
verfolgungsjagd mittlerweile schon rechtens verfolgt. ich fühlte mich wie
ein krimineller und ich begann wohl, wie einer zu denken. doch ich wurde
schon wieder übermannt. ich weiß nicht, wie viele sich auf mich wafren;
ich spürte nichts mehr, außer den einen hieb in den rücken und den einen
schlag mit einem knüppel auf meinen klaffenden hinterkopf. mir wurde
schwarz vor augen, rot und dunkelschwarz. und ich wäre froh darüber
gewesen, wenn ich noch die gelegenheit dazu gehabt hätte, es zu merken.

(fortsetzung folgt.)

karriere

sei stark, sei hart, du musst.
sei gut, sei klug, du musst.
sei tough, sei cool, du musst.
sei verantwortungsbewusst.

sei gewissenhaft und weise,
zurückhaltend und leise.
sei flexibel, mobil, reise.
als unentbehrlich dich erweise.

sei auch mutig, laut und dominant.
spiele, sei's noch so riskant.
sei undercover, weltbekannt,
lernfähig, perfekt gewandt.

sei alles und jeder,
oder und entweder,
am besten eine steinfeder
und spannstahl aus leder.


review

an meiner tür: "bitte nicht stören!"
würd' selbst auch gerne draußen bleiben.
kann dich rot in mir schlagen hören.
erinnern bedeutet oft auch leiden.
          
         

kopf-krach

die stille lärmt und wächst erheblich
in diesem gigantischen raum.
so lautleiser lärm ist unerträglich;
ich hör' meine gedanken kaum.
       
                  

unbekannt

love is the beauty of the soul;
bears all things, believes all things.
         
                              

industrialisierung

wohin ich schau',
alles zu groß.
die luft ist grau.
und hoffnungslos.