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verkehrsbelastung

ich steh‘ im stau.
ich komm‘ zu spät,
ich weiß es genau.
vordermann steht
im gelben 2cv.
bis er sich bewegt,
ist die ampel wieder umgesprungen
und ich im viereck
und hab‘ mit schimpfwörtern gerungen
und mich aufgeregt.
und ich kann nicht bescheid sagen,
dass ich später komm‘,
kann mich nur zum leid fragen:
„warum hab‘ ich das autohandykabel nicht mitgenomm‘?“
mein akku ist leer,
handy tot,
ich atme schwer
und die ampel ist wieder rot.
ich fühl‘ mich in not,
doch irgendwo 

in afrika
sind ‘ne million
menschen schon
so 

lange vom hungertod
bedroht.
klar
ist es da
anders
und bei mir eigentlich 

alles im lot,
wenn ich 

so überdenk‘,
dass ich gerade immerhin ‘nen mercedes
lenk‘
und mir jedes
problem fern
ist
und ich nur bequem und gern
zur arbeit 

eile,
während irgendwo auf der welt
menschen
schon seit
einer weile
hoffen,
dass die
zeit
ihre wunden heile
und mein verdeck
ist offen
und die sonne scheint herein.
und irgendwo werden flüchtlinge
in ihrem versteck
getroffen,
erschossen,
gewehre
lassen sie keine
menschen
sein.

ich bin so spät dran
vielleicht hängt mein job
davon
ab,
vielleicht hab‘
ich schon
gar keinen arbeitsplatz mehr,
doch ich mag
meinen arbeitsplatz sehr.
scheiß verkehr!
jedenfalls… arbeitsplatz – noch:
ich
muss eigentlich
gar nichts tun
und kann mich nur
von dem ganzen spaß ausruh’n,
den ich immer hab‘.
und irgendwo herrscht krieg
und gar nicht so weit weg knallen sich kinder ab
und ich lieg‘
hier in meinem sitz
und schwitz‘,
weil ich mir genug klamotten
leisten kann,
um zu viel anzuhaben.
hier wird man für marotten
nicht verfolgt.
schwarz-rot-gold,
wir sind stolz.
und ein schwarm raben
fegt
über mein auto hinweg,
über die büsche und den dreck
und das ganze grün
und wo die blumen auf den äckern blüh’n
und der wind sich legt.
sie lassen sich nieder,
kommen immer wieder
und können die idylle dieses
paradieses
nicht trüben.
hier ist nichts übel.
hier kann
man
keine kritik
üben.
und über
politik
und wirtschaft
lässt sich fluchen,
aber immerhin
haben wir sowas
und haben sowas
gesehen,
woanders haben
andere nicht einmal die kraft
danach zu suchen.

ich hab‘ gehört,
dass es manche stört,
aber ich weiß,
dass es nichts
als ein bisschen ärger heißt,
wenn mir eins
von den rabenviechern
auf die motorhaube scheißt.

aber hey,
ist doch egal.
zedernholz,
edelstahl,
autostolz,
ein bisschen wasser –
alles wieder okay.

ich hab’s fast geschafft.
das ziel ist nicht mehr weit.
ich bin bereit.
warum geht’s denn nicht los?
was ist los?
mein eigenes los
hab‘ ich doch gerade für glücklich erklärt,
doch angesichts
nichts
als dieses gedränges
in der stadt
ist der optimismus erschwert.
ich hab’s satt!
was ist los?
haben die denn alle den führerschein im lotto gewonnen?
und warum verdammt nochmal hab‘ ich eigentlich noch nie im lotto gewonnen?
ich hab‘ nie gespielt –
vielleicht liegt
das ja daran…
verdammt, mann.
und jetzt komm‘ ich zu spät
und seh‘ im innenspiegel:
mein hemdkragen ist verdreht.

endlich rollt die zerschrammte ente los.
bald bin ich endlich die verdammte ente los.
ich hab‘ kurz angst, sie könnte rückwärts rollen,
bin schon fast hinten drauf gefahren.
das wird keiner von uns wollen.
obwohl…
ich würd‘ ihr schon gern den bürzel
mal ordentlich kürzen,
sie schubsen, damit sie endlich abhaut,
sonst werd‘ ich hier aber noch ordentlich laut.
autofahren
soll laufen sparen!
ich steh‘ so nah an meinem vordermann,
dass ich fast schon erkennen kann,
welchen radiosender er hört.
wenn der mich noch weiter stört
und abhält
und nicht merkt, dass mir das nicht gefällt
und ich fahren will,
dann bin ich nicht mehr still.
der ist dran.
in meiner fantasie –
sonst natürlich nie –
überroll‘
ich die
ente gerade.
wie schade
für ihn,
aber ich fänd‘ es irgendwie
toll.
ich scheuch‘
den gedanken
fort
und entfleuch‘
in die seitenstraße,
wo die bahnschranken
die bahn schranken
und dort
bieg‘ ich ab.
jetzt geht’s ab!
ich bin auf trab
und im trab
geht’s den hang
im wohngebiet
hinab.
mein wagen liegt
in der scharfen kurve,
linke
straße.
ich blinke
nicht, weil ich allen davonrase.

ein breites grinsen
im gesicht,
und doch:
ein leises winseln
hör‘ ich mir entflieh’n,
wegen dem adrenalin,
doch ich fürcht‘ mich nicht.
jetzt an anzieh’n
und dann
komm‘ ich an.
mein lieblingparkplatz
gleich vor der pforte
ist frei.
ich bin dabei,
mich zu entspannen.
die sekunden verrannen,
aber ich hab‘ die zeit besiegt.
die autotür fliegt
hinter mir zu,
schlüssel gleitet in die tasche.
bin wieder drauf,
ich werd‘ das schon machen.
einmal zu spät? da kann ich nur lachen.

das ist die sorte
tag,
die ich mag.
ich bin voll drauf,
ich bin gut drauf
und ich lauf‘
und find’s so gut,
wie ich mich verkauf‘.
so kann’s geh’n.
anzug, aktenkoffer – masche
unangekratzt
und mein kragen dann ja doch nicht geplatzt,
nur verdreht,
aber schell wieder zurechtgelegt.
und ich seh‘ auf die armbanduhr,
denn anhand der merk‘ ich nur:
ich bin gar nicht zu spät.