so, heute ist heilig abend.
ich hab' bis heilig mittag geschlafen,
dabei im hinterkopf habend,
dass wir uns treffen, am flughafen.
ich hab' ausnahmsweise ausgang,
die klinik hat es heute mal erlaubt,
ich verlass' das bett - vielleicht nicht lang,
vielleicht für immer, wie mein arzt glaubt.
heute ist mein geburtstag.
ich feiere schon lange nicht mehr.
doch freu' ich mich, weil ich dich mag
und du immer da bist. (dankesehr.)
aber ich hab' gesagt, du sollst nie auch nur denken,
dass heute ein besonderer tag ist.
darum darfst du mir nie, wie ich 's auch nie tu', etwas schenken,
weil du allein die befriedigung jedes bedürfnisses bist.
weihnachten ist ein fluch,
aber immerhin bist du da
und der weihnachtsmarktbesuch
geht klar, wie jedes jahr.
zwischen gebrannten mandeln und punsch
steh' ich in einem schneesturm und du daneben.
ich hab' nur einen weihnachtswunsch
und für den gäb' ich sogar mein leben.
naja, als ob ich die wahl hätte!
mein leben gehört mir nicht mehr.
mein leben ist nur noch eine stätte
von rückschlägen, kleinen toden, tränenmeer.
mein leben ist zu meinem warten geworden
und wird sich auch nie mehr wandeln.
ich bin jeden tag ein bisschen gestorben;
heute wegen dir. du liebst mandeln.
zum vierten mal heißt es jetzt also,
ich werde weihnachten nicht überstehen.
der tod hat mich schon so oft versetzt
und wird mich dieses jahr auch übersehen.
kein wunsch auf dieser erde
ist so stark wie der von mir.
ich hoffe inständig, es werde
leicht für dich. ich wünsch' es dir.
ich werde gehen und du mich bitte nicht vermissen.
du liegst in meinen armen. es ist spät.
ein blick in den himmel noch. wir beide wissen,
dass an heilig abend nun mein stern vergeht.
du warst dir dessen bewusst,
hast die augen aber davor verschlossen.
ich drück' dich an meine brust.
ich hab' die zeit mit dir genossen.
du hast den kleinen filzweihnachtsmann
von unserem ersten besuch hier in der hand.
du hast ihn immer in der tasche. irgendwann
hast du ihn immer noch und mich niemals gekannt.
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