schweigepflicht

ich stand seit stunden am fenster und sah hinaus in den strömenden regen.
der erwartete anruf kam fünf nach elf. es ist ein mädchen. dieses kind, auf
das wir uns seit monaten vorbereiteten und freuten. das kind von der frau,
die ich über alles liebte. der frau, für die ich ohne eine sekunde zu zögern
mein leben geben würde. ich lockerte meine krawatte mit einer hand und
nahm einen schluck von dem kalten kaffee. aus der tasse, die sie mir zum
ersten hochzeitstag geschenkt hatte. meine frau. und jetzt war es da. das
kind von der frau, die ich um nichts in der welt hergeben würde. das kind,
von dem ich sicher wusste, dass es nicht mein eigenes war. das kind, das
die wahrheit niemals erfahren würde. trockene tränen. um der liebe willen.
                   
                             

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