25. august

du hast geburtstag? ach! (oh nein!
ich war noch nie gut im beschenken.
glanzpapier muss ja nicht sein;
werd' mir was anderes ausdenken.

karten kommen immer gut.
ja, du wirst schon sehen!
in jugendlichem übermut
sprudl' ich vor ideen.

"karte" mal anders gestalten -
da wirst du was von halten!
ich will malen, kleben, falten.
oder bleibe doch beim alten...
  
ein blatt nur, blank und unverziert,
mit reimen ab und an.
es ist, falls es dich interessiert,
das, was ich am besten kann.

mein geschenk ist also ein gedicht,
ein ziemlich langes eigentlich.
nun sag bloß, du freust dich nicht!
es meint so viel wie "ich mag dich.")
   
hundert jahre sollst du leben
und am besten auch noch hoch!
und eine große feier geben;
doch das wirst du sicher noch.
     
und langsam komm' ich nun zum schluss.
ich wünsch' dir sonne, spaß und segen,
sei fern von unglück und verdruss,
und dass du lächelst, auch bei regen.

dass dich niemand unterkriegt
und du bleibst, wie du bist.
dass du nur tust, was dir beliebt
und das lieben nie vergisst.

was im leben noch kommen mag -
lass dich von niemandem verbiegen.
heute ist ein schöner tag;
das muss am datum liegen.

                     

fakt

                             
           manchmal passieren an einem tag einfach zu viele dinge. und manchmal
           verliert man den halt während den nachrichten und manchmal für immer.
                 
                                           

je schneller, desto leben

ich hab' mir viel vorgenommen, ja. aber ich will etwas
verändern und zwar bald. denn je schneller, desto leben.
                      
               

liebe auf den letzten blick

unter dir, das gras ist feucht
und du kannst nichts mehr tun.
gleich ist sie dir ganz entfleucht.
gegen den tod bist du immun.
 
nichts schockt dich mehr, du bist gefeit
auf alle formen von gewalt.
mutig bist du, gewappnet, bereit
zu gehen. es wird langsam kalt.

ein letzter blick der starren fremden,
die bleich in deinen armen liegt,
gehüllt in eines deiner hemden,
bis jeder glanz in ihr versiegt.

ihr leben zieht an dir vorbei,
letztlich ist es ja auch deins.
mit ihr sterbt ihr nun alle zwei.
und sein wird langsam schein.

ihr wart immer freunde, auch schon als kinder.
eure erste begegnung am steinernen bronn...
ich wünschte, es träfe dich etwas gelinder,
doch mit ihr gehst nun auch du selbst davon.

du kanntest sie so gut wie dich,
eben gleich gings ihr. die werte!
doch wusstest nicht, wie jämmerlich
sie sich nach dir verzehrte.

und das war, was euch auf ewig trennt'
und euer verderben besiegelte:
jeder glaubte, dass er den anderen kennt -
das schloss, das den himmel verriegelte.

beide vergeudetet ihr tränen der pein,
wenn einer den anderen mal nicht sah.
keiner wusste, es könnte anders sein,
bis schließlich das unvermeidliche geschah.
             
hast nie geahnt, dass euch etwas verbindet,
mehr als freundschaft und liebe es können.
dass einer von euch die wahrheit findet,
das wollte der liebe gott euch nicht gönnen.

und so nimmt eure geschichte ihr tragisches ende,
bevor sie jemals noch wirklich begann.
euer trauerspiel fällt dir nun in die hände,
ohne dass das glück euch bewusst werden kann.

doch in diesem moment sieht sie dich noch einmal an.
ihr teilt eine träne. sie geht - und bleibt immerdar.
sie war je deine frau und du bist ihr mann -
jetzt im mondlicht wird euch endlich alles klar.

ein kleiner moment der glückseligkeit,
die immer schon da war, nur heimlich.
ihr wart allein, aber doch stets zu zweit.
deine blindheit ist dir nun fast peinlich.

da liegst du nun dreckig und weinend auf der erde
und hältst dein vergehendes alles in der hand -
auf dass dein erbärmliches flehen erhöret werde:
"bitte nimm uns zurück, wovon du sie gesandt!"

als du sicher bist, dass sie sich nicht mehr bewegt,
greifst du ihren dutt und schreist: "tor, erstick!"
schon sind die haare sanft um deinen hals gelegt.
so läuft das mit der liebe auf den letzten blick.
                    
        

atemnot und erdbeben

nie konnt' ich meine leidenschaft
auch angemessen ausleben.
von dir aus geht eine magische kraft.
ihr kann ich mich nur ergeben.

nie war ich dir nah genug.
nie erreicht' ich dich.
nur ein einz'ger atemzug -
das wär' ein glück für mich -

gegenüber deinem antlitz
mit blick in deine augen,
in denen dein geist hell aufblitzt -
oh, eins kannst du mir glauben:

ich würde meine seele dafür geben,
dich nur einmal ganz zu spür'n.
in deinem lachen, so viel leben!
es soll mir luft und blut abschnür'n.

nun mach' ich meinen traum auch wahr,
hab' den verstand ja ganz verloren.
stürz' uns beide in lebensgefahr.
für diese gräueltat bin ich geboren.

da bist du nun, mein schatz.
ich behalte dich für mich,
an 'nem streng geheimen platz,
die umgebung - königlich.

setz' dich in eine truhe,
so groß fast wie die welt.
eine kiste voll mit ruhe -
ob dir das wohl so gefällt?

ich will dir jeden wunsch erfüllen,
wenn du ihn mir nur anvertraust.
will dich ganz in seide hüllen,
wenn du auch ohne hübsch ausschaust.

alles würd' ich für dich tun,
du müsstest mich nur lassen.
unterhalte dich und lass' dich ruh'n.
will keine stund' mit dir verpassen.

in deinem thronzimmer,
deinem neuen domizil
beherberge ich dich für immer.
was mir das bringt? so viel!

kann dich den ganzen tag betrachten
und hab' dich ganz für mich allein.
ich werd' auch immer schön drauf achten
dass du dich wohl fühlst und daheim.

dass es dir stets gut ergeht,
das ist mein höchstes ziel.
und dass nie mehr was im wege steht
und dass dir nichts missfiel'.
              
im leben sollst du nie mehr leiden
und fern sein von streit und zwist.
schmerz und gram will ich vermeiden,
weil du doch alles für mich bist.

und jetzt kannst du es endlich sein,
jetzt darf ich endlich lieben,
so wie es mir für recht erscheint.
vielleicht ist es übertrieben...

du warst frei, ich war es nicht,
ich war immer dein knecht.
oh, ich bin ja so erpicht,
weil sich mein herz jetzt rächt.

nie traut' ich mich, dich nur anzusehen,
weil der moment deiner nie würdig war.
kann jetzt angemessen an dir zergehen
vor der truhe, in der ich dich aufbahr'.

nie konnt' ich meine leidenschaft
auch angemessen ausleben.
von dir aus geht eine magische kraft
ihr kann ich mich nur ergeben.

doch halt, mein plan, er geht nicht auf.
jetzt, wo ich endlich alles hab',
nimmt das schicksal seinen lauf:
das glück, nun bringt es mich ins grab.

mein eigenes museum
mit nur einem exponat.
es ist mein eig'nes mausoleum,
verdammnis, seit ich es betrat.
                 
                          

home

die ausgeleierten riemen und klettverschlüsse auf den risten meiner stiefel
halten nicht mehr besonders gut. ich ziehe sie fester, bis sie nicht mehr
wieder zurückfallen. meine abgetragene cordhose lässt sich nur mühsam
über die stiefel streifen. das scheunentor quietscht unheilvoll, als ich es
mit beiden händen aufschiebe. aber der wind pfeift so um meinen kopf,
dass ich es kaum höre. das sanfte knacken des feuchten strohs unter
meinen sohlen wird auch vom wind verschluckt. mein kinn juckt unter
meinem eigenwilligen bartansatz aus graubraunen haarstoppeln. vielleicht
ist das doch keine so gute idee. vielleicht sollte ich sofort umkehren.
solange ich noch kann. aber was dann? ich hab' keine wahl. mein kopf
brummt vor bedenken. ich spüre das alles, aber ich nehme es nicht wahr.
ich habe nur ein einziges wort im kopf, ein bild mehr, einen impuls; es
schwebt hin und her und scheint vor dringlichkeit aufzuleuchten. es ist
ein verlangen, eine begierde, ein bedürfnis, verzweiflung. ich taste mich
langsam durch die dunkle scheune, in die bei dämmerung schon kein
licht mehr fällt. etwas glänzt dennoch. beide hände können etwas festes
umfassen und mit einem ruck schwinge ich ein bein gekonnt über die
alte kawasaki w650. amalfiweiß-fuchsrotes blech lächelt mir entgegen.
ich schiebe die maschine in den hof. kam mir nie so schwer vor, das
ding. das leder des sitzes ist kalt, aber weich. und der verchromte lenker
ist verstaubt, doch er räkelt sich elegant wie eh und je von meiner einen
hand in die andere. ich rüttele eine weile an dem reißverschluss meiner
collegejacke herum und ziehe ihn schließlich bis zum hals zu. den helm
habe ich schon seit ein paar minuten auf, damit ich mich an das gewicht
gewöhne, was mir nicht so recht gelingt. er ist etwas zu klein und auf
der oberfläche verkratzt, eben gezeichnet von den alten tagen - nicht
mehr, als ich es bin. ich fühle mich ein bisschen albern, weil er mir die
backen zusammendrückt. ich will mich im seitenspiegel begutachten,
aber mein erster blick fällt nur in ein mosaik aus scherben, schwenkt
dann nach rechts und in den anderen spiegel. ich wirke lässig mit dem
gleichgültigen auftreten. lädierte klamotten, aber ein neues leuchten in
den grauen augen. ich setze die rechte sohle auf die fußraste und
verlagere mein gewicht nach links. das motorrad ist unter mir gar nicht
mehr schwer, aber ich habe mühe, mein gleichgewicht zu halten. ich
muss jede einzelne tasche nach dem schlüssel absuchen und finde ihn
nach dem dritten durchgang endlich in meiner ausgebeulten rechten
jackentasche unter dem hausschlüssel und einer schachtel zigaretten,
in der sich nur noch ein feuerzeug mit dem abbild einer ziemlich leicht
bekleideteten jungen dame findet. sie kniet an einer tanzstange und
blickt mich von unten an, als ich es in der hand hin- und herdrehe. ich
stecke es zurück in die schachtel, die schachtel in die tasche, den
hausschlüssel hinterher und den schlüssel schließlich ins zündschloss.
irgendetwas blockiert, als ich versuche, ihn zu drehen, aber ohne
weiter viel gewalt anwenden zu müssen, rutscht der schlüssel plötzlich
bis zum anschlag herum. ich habe es nicht eilig, zumindest nicht
wirklich, nicht, was eine uhrzeit betrifft, doch ich werde trotzdem
ungeduldig, weil ich glaube, dass ich irgendwohin muss. zu keinem
bestimmten ziel, aber auf jeden fall weg. weg von hier. ich drehe den
gasgriff in richtung meiner brust. mein herz schlägt schneller, als der
motor laut aufheult. kurz danach schnurrt er nur noch genüsslich,
während ich angestrengt mit der kupplung kämpfe. linker fuß. erster
gang. licht an. visier zu. langsam anfahren. und scharf links abbiegen.
über einen kleinen landwirtschaftlichen pfad streune ich langsam der
hauptstraße entgegen. hier herrscht so spät kein verkehr mehr. nach
und nach gebe ich mich der beschleunigung hin und für einen augenblick
scheint es, als würde die maschine ganz von selbst fahren. meile für
meile und serpentine für serpentine. links der abhang und geröll, rechts
nur felswand. an der leitplanke erinnerungen an andere solcher ausflüge.
ob ich angst habe? hm. sollte ich denn?
                
es wird immer dunkler und die luft zu dunst. ich werfe die nebelscheinwerfer
an. der vorderreifen hält die spur wie von selbst, meine hand ruht auf dem
gashebel. alles läuft einfach so. meine gedanken schweifen ab ins nichts. sie
fliegen an mir vorbei, aber ich kann sie nicht festhalten. apathisch starre ich
geradeaus, erwache erst, als ein voll beladener lastwagen mich blendet und
ohrenbetäubend laut vorbeirauscht.

- - -
meine füße gehen wie von allein, laufen, werden immer schneller, ich kann
mein gleichgewicht kaum halten. meine knie schlagen immer wieder
aneinander. meine sohlen gleiten über das taugras, schweben über die
wurzeln im boden. das rostige tor steht weit offen, doch kein licht findet
sich hier. nicht, das ich das bräuchte. mein gefühl bringt mich zu ihr. und
vor ihrem grabstein falle ich zwischen tausend anderen auf die knie. alle
bilder rasen vor meinen augen vorbei und fort und mit ihnen jeder zweifel.
ein finger auf dem abzug, ein einziger schuss und alles ist endgültig vorbei.
wir sind jetzt zusammen, für immer. und wir sind frei. für immer.
   
  

wunsch

                                   einmal auf dem unermesslich schmalen grat zwischen
                                   unterforderung und überforderung stehen, nur kurz.
                  
                                  

fakt

              
                                                       ein ja ist immer verbindlicher als ein nein.
                  
                              

fakt

               
                  kritik an der gesellschaft ist immer auch bemängelung meiner selbst.
                         
                      

unterscheiden/unentschieden

was mich an dir am meisten in den wahnsinn treibt,
ist, dass uns wohl immer eines gemeinsam bleibt:
wir können uns nicht entscheiden, hart oder weich -
in vielerlei hinsicht sind wir zwei sehr, sehr gleich.
              
                         

augen zu, ohren auf

komm mal runter, sieh nicht alles so eng. schau mal hinter die fassade, reib'
dir die verblendung aus den augen. auf, durchschau mich, es ist nicht, wie
du denkst. es ist, dass du zu viel und nicht genug denkst. denkst du, ich
denk' mir das aus? du denkst ausnahmsweise falsch, wie immer. nimm die
waffe runter und sei nicht beleidigt, ich kann dir helfen, will uns retten. ich
will dich nicht verärgern, ich wollte nur zeigen, dass deine aktionen völlig
überzogen sind, deine reaktionen unberechtigt und so nicht richtig. steig'
von deinem thron herunter, lass uns reden, wenn ich dir auch nicht in die
augen sehen kann. mach' die ohren auf und hör' mir zu, wie sonst nie.
ich weiß, ich mache oft viel falsch, aber lass mich doch dein spiegel sein.
                  
                                           

f(erh)akt

           
                                        anziehend und ausziehend liegt oft nah beieinander.
                 
                                      

irini

so, das hier wollte ich mal sagen; dass es mir,
obwohl ich ja leider gar nicht anders kann,
recht herzlich leid tut, es - und alles. und es

reut mich, dass ich nicht besser sein kann - für dich.
ya, jetzt fällt mir auch nichts mehr ein.


doch. dass du da bist, sollte ich dir echt unendlich hoch
anrechnen, aber du siehst, ich schaffe es einfach
nicht, weil ich nicht und nie adequat ausdrücken
kann, wie sehr ich menschen wie dich schätze, die
einfach so sind, wie du bist, und die einfach sind.
            
                                    

hast du gerade 'freunde' gesagt?

                         bitte nimm mir nicht, was ich nicht habe, aber so sehr möchte
                         und so sehr brauche und du gar nicht brauchst, weil du es nur
                         brauchst, weil du sonst alles hast, es aber nichts wert ist, und
                         du nichts hast und aber alles und nichts wirklich willst.
                   
                                     

haiku

sich verstecken
gefunden werden
verloren
              
                     

haiku

es geht gut
in der gemeinschaft
rebell
            
                                         

fakt

                     
                                                      auf dieser welt gibt es genug krise für alle.
                          
                            

frage

                              
                                                                                        was passiert jetzt?
                    
                         

hilfe

ich bin zwei. ein gutes, helles, frohes, friedliches. ein bescheidenes und ein
gebendes, ein lächelndes. ein zurückhaltendes, manchmal mutloses, ein
ängstliches auch. aber ein begabtes, könnendes, ein wollendes. ein offenes,
ein hoffendes, ein verhofftes. ein liebendes, ein zu liebendes, ein geliebtes.
ein tröstendes, helfendes, ein gebrauchtes. und ein rasendes, ein tobendes,
ein verzweifeltes. ein undankbares, ein gieriges, ein blindes. ein rennendes,
flüchtendes, schreiendes. schlagendes, tobendes, taubes. eigenes, einsames,
weinendes. aufgegebenes, aufzugebenes, aufgebendes. ein nichts findendes,
nicht mehr suchendes, verlorenes. bin beides. vereint in einem. und sich
hassend, streitend und raufend, sich umzubringen versuchend. ich bin zwei.
                   
                              

drei worte

ich mag dich. schon so lange. wär gern immer. wo du bist. merkst es nicht.
weißt es doch. weißt du es? ich bin anders. wenn du bist. weil du bist. hass'
mich dafür. und würde doch. alles darum geben. ich will dich. spüren, mehr
noch. will dich fühlen. hass' meine worte. alle an dich. und die deinigen. an
mich mehr. kanns nicht ertragen. du bist grandios. hab's nicht verdient. und
bin doch. ständig so eifersüchtig. auf jeden, zu. dem du sprichst. was du
berührst. was mich erinnert. erinnert an dich. ich nehme es. auf in mich. tut
nicht weh. reißt mich entzwei. bringt mich um. zerstört mich, du. zerstörst
mich, luder. bitte, zerstör' mich. nun endlich gänzlich. sonst falle ich. in die
grube. die ich grub. deine - meine grube. ich hasse dich. ich liebe dich.
            
                                                 

bertold auermann

                 
                                            wer nicht zufrieden ist mit dem, was er hat, wäre
                                                 auch nicht zufrieden mit dem, was er möchte.
                  
                                      

unknown

             
   never make anything your everything. if you lose it, you'll have nothing left.
           
                                                                                                                                  
                 
                             

fakt

                
                       die erkenntnis war schwer. und vielleicht deshalb so erleichternd.
                       
                     

glaub' mir

                           
                                                                                        ...ich bin ein lügner.
                     
                                                

vertrau' mir

                                                                                          ...ich bin verrückt.
                 
                                                            

ich brauche dich

                                                                 wer wäre so dreist, das zu sagen?

                    

schätze

                                                                                   schätzen und schützen
                  
                                                            

if it's not like the movies, that's how it should be

dämmerung. leere straßen. kalter wind. grauer himmel, eine einzige riesige
wolke. der regen wird immer stärker. ich genieße es jetzt fast. und donner
irgendwo. in meinen schuhen steht das wasser. meine füße sind so nass,
dass sie sich beinahe schon wieder warm anfühlen. wie die plörre in den
pfützen. die luft ist so feucht. ich habe kein ziel, aber gehe mit gleichmäßig
zügigem schritt. ein blitz hinter mir. ich erschrecke nicht. nichts hält mich
auf. manchmal kreuzt jemand meinen weg und ich lächele. gar nicht mit
absicht. ohne grund, hintergedanken und jegliche erwartungshaltung. ja,
einfach so. mein lächeln muss ein bitteres lächeln sein. doch sie grinsen
manchmal zurück und erhellen für einen kleinen moment den todgrauen
asphalt, den grauen himmel, die grauen häuser und die grauen gesichter
in dieser stadt, in der jedes lachen verklingt. wo fröhlichkeit ein unwort
ist. ein ort, an dem jeder lediglich funktioniert. ständig. wo die gedanken
unausgesprochen und freunde immer fremde bleiben. und dann kommt
die wut wieder hoch. oder die enttäuschung, weil nichts nach plan läuft.
und deswegen lasse ich mich heute einfach treiben. ohne nachzudenken.
ohne weiterzudenken als bis zum nächsten schritt. ich kann das gefühl
nicht zuordnen, ich weiß nichtmal, ob ich das überhaupt wirklich fühle,
oder ob mein blut nur so in den adern pulsiert, weil zu viel leben in mir
ist, das ich nicht leben kann. das ich nicht leben darf. will es rauslassen.
ich will es hinausschreien oder mir den bauch aufschlitzen, es muss raus
hier, die energie lähmt mich, macht mich müde, ich kann nicht mehr und
liege am boden. in der dämmerung auf dieser leeren straße. in kaltem
wind. unter grauem himmel. neben mir glasscherben. ich nehme mir die
größte und drehe sie eine weile in meiner hand. ich habs. endlich. das
ist die idee. ein instinkt. reflex aus verzweiflung. ich habs. der schlüssel.
            
              

[m]onst[e]r

melancholische stimmung. ich bin traurig ohne grund. das ärgert mich. bin
nun richtig wütend, weil ich traurig bin. ein schlag gegen den türrahmen.
kann den schmerz nicht fühlen. nochmal. immer wieder. faust. türrahmen.
lasse die hand in meinem zimmer durch die regalfächer streifen. schneide
mich an einer buchseite. alles liegt auf dem boden. ich hasse unordnung.
irgendetwas liegt zu meinen füßen. ich schiebe meinen rist darunter, dann
fliegt es gegen das fenster. mehr chaos macht mich aggressiver. ich hasse
unordnung so sehr. jetzt liegt das regal quer im zimmer auf dem boden,
ich stehe in gerümpel. muss hier weg. auf ins bad. ich lege mich auf die
kalten fliesen, schließe die augen, bleibe nur kurz liegen, springe wieder
auf und klettere in die dusche. mit kleidern. meine jeans saugt sich mit
brühend heißem wasser voll. ich bade in schande. es ist viel zu heiß, das
t-shirt brennt sich auf meinen rücken. ich versuche mit verzweiflung alles
schlechte, das böse wegzuspülen und bleibe ohne erfolg. alles ist so, so
hässlich hier! so unerträglich hässlich. ich schreite triefend nass durch die
wohnung und schlage alle spiegel ein. ich werde zum wilden tier, bilde
mir ein, auf vier beinen zu gehen. kann mich brüllen hören. es ist alles zu
viel. ein spiegel nach dem anderen. mit den klauen, mit den pranken, mit
der stirn. ich verliere mich in rage. kopf aus. welt aus. ich kehre zurück
ins badezimmer und reiße das fenster auf, dann drehe ich mich um und
plötzlich: erleichterung. erlösung. freiheit. und unordnung. und chaos.
und scherben. und wasser. und blut überall. verdammt, so viel blut hier!
                           
                     

auge um auge

schritt. schritt. schritt. gleich hat er den hügel überwunden. die abstände
zwischen den häusern werden immer kleiner. rechts und links von ihm
leuchten straßenlaternen auf. die sonne geht gerade unter und der wind
dreht. jetzt riecht er den löwenzahn und das wiesenschaumkraut von
den grasflächen her. er zieht seine kapuze mit einer hand über den kopf.
der himmel ist klar und es wird wohl eine kalte nacht werden, doch
solange er sein tempo hält, friert er nicht. alle paar schritte schlurft ein
turnschuh über den trockenen asphalt. er atmet tief ein und aus, als er
weiter in die vorstadt hineinläuft. hier und da riecht es aus den kleinen
küchen und esszimmern nach gebratenem fleisch und dampfendem
kartoffelpüree, er kann es förmlich schmecken. vor einer scheune
spielen kinder im stroh. so klischeehaft! und am wochenende ist das
ein ort der familie. alle sind zu hause bei ihren glücklichen familien und
sind noch glücklicher als sonst, weil sie zusammen sind. er merkt nicht,
dass ihn der anblick der reihenhäuser und gestutzen hecken rührt. die
seine sehnsucht spürt er nur als wut. aggression. sie wächst, blind, und
er läuft nun schneller, den blick starr nach vorn gen horizont gerichtet,
den er vor häusern und bäumen gar nicht sehen kann. und dann diese
luft. so sauber, dass er husten muss. kein blick zurück, er fühlt sich
völlig sicher. wie ein fremder, ein eindringling, aber völlig unauffällig.
wer könnte hier böses erwarten? seine fahle haut und die farbe seiner
jacke verschmilzt mit dem grau des straßenbelags. langsam, vorsichtig
schiebt er seine kalte hand in seine ausgebeulte jackentasche, um zu
überprüfen, ob es noch da ist - das penibel polierte fleischermesser.