na(r)zideologie

nimmer wird das reich zerstöret.
jeder mann im volk dabei.
stimmt ein, wenn ihr's singen höret,
dass ihr einig seid und frei.
            
blut und ehre, blut und ehre:
die hemdenflecken nicht zu sehen.
stellet euch vor, was das wäre –
kopf-oben durch rote lachen gehn.
         
männer still und stilisiert
reihen, glieder, zinnsoldaten.
das volk endlich mobilisiert:
konfetti fliegt und handgranaten.
                   
               

glems

der himmel treibt
seit tagen morgengrau
nur vor sich her.

unterm himmel bleibt
mein magen sorgenflau
und rumort sehr.

die wolken scheuen sich jetzt,
was sie so gern vergaßen,
wiederzusehen (scheußliches),
bläuten sich die straßen.

erinnerungen sind
manchmal schwer zu ertragen.
kein innerer wind
trägt die wolken und fragen.

die wolken steigern sich
wie die größten narren.
die wolken weigern sich
und bleiben beharren,

nicht mehr als kerzen
licht durchzulassen.
tja, manche herzen
sind nicht zu fassen.
           
           

augenlieder

sie trägt welche ihrer schönen, ihrer sauberen sachen.
sie will ihnen heute mehr als nur schöne augen machen.
sie trägt spitzen-wäsche (das soll so doppel-d-eutig klingen).
statt wimpern-klimpern kann sie wirklich mit den augen singen.
       
                   

cheb

ich kaufte mir schuhe
auf dem basar der herzen.
im letzten jahr wurden hier noch vorhänge
-schlösser verteilt.
händler heben nur noch verhalten die linke hand
und drachen schlafen nicht,
wachen im lotussitz
als meditantrabanten
und werden nie zu hause sein
in china
in cheb.
       
             

jesenice (noch in bearbeitung)

I
du bist mir
näher als meine
haut.
du bist mein
rauschgift
ganz
körper
tattoo
und erst mein körper.
ich bin erhitzt;
dein muster blüht
in allen
farben auf.

II
deine farben sind
rot
und
blau
licht.
woanders eine andere,
wo
geheim.
aufregend
gegen
aufregung erregend.
nein, ich kenne dieses mädchen nicht.
doch sie als einzige mich.
           
                           

karlovy vary

ich geh' auf
kopffreipflaster
zum brunnen der beseeltheit.
wer würde sich über steine
auf dem weg beschweren?
sonnenstrahlen plätschern leise
fließen die erinnerungen ab
heute leichter
______.

könnte ich jemals aufhören,
im konjunktiv zu leben?
       
                   

mondscheinwalzer

hast du den himmel gesehen?
schwarzes hemd glänzt
satin spiegelt
sterne spiegeln
sterne reflektieren.
gala-xie
gibt eine
gala:
die nacht geht
nicht hin.

himmel streunt,
streut leuchten,
tritt von tanzschuh auf tanzschuh.
der einsame tanzt nicht,
der liebene findet keinen schlaf.
der mutlose ahnt nicht,
dass er held ist für jemanden.
           
                   

guttiger nacht

I
komm, lass es
zu, lass
deine augen einfach zu
fallen
und die gedanken
nach außen
hallen,
statt sich wider-
und widerspruch
um widerspruch
im widerstand
gegen
den widersacher
in deinem inneren.
         
               
II
du bist
dir selbst
ein tiger.
streifst
durch den dschungel deiner gedanken.
lianen assoziieren sich.
du zierst dich nicht,
nüsse mit dem kopf zu knacken.
reich mir die pfote,
ich halt' sie und
lass
uns
uns niederlegen.
ich halt' dich
dazu an. abgefahren
kennt keine gefahr.

die welt hält nicht für uns an,
wir für sie
nicht den atem.
halt deinen atem ruhig,
verscheuche nicht den schlaf
legt sich sacht auf deine augenlider.

lass es
nur zu,
auch tiger dürfen schlafen,
sogar die verlorenen.
sie sollen letztlich in den nächten geborgen sein
und die trost-blüten-bäume, die lächeln wurzeln,
wollen sie sicher wiegen.
               
             

sonnenauf(au)gang

ich stell' mir vor, wie's wäre, wenn die sonne
am morgen für mich in deinen augen aufginge.
           
                 

gesundbarkeit

nicht schlafen ist nicht gesund;
gesund schläft auch viel leichter,
ohne traurigkeit ohne grund.
wird das wasser denn je seichter?
           

verrettung

klar, natürlich, das kann man alles nicht erzwingen. es ist richtig verstrickt
und ‘ne ganz schön große sache. und ich, ich müsste eigentlich still sein,
denn ich bin selbst nicht besser und ich bekomm’s auch nicht auf die reihe.
deswegen weiß ich auch, dass das alles nicht so einfach ist. dass das alles
hoffnungslos erscheint und die zeit zeit braucht, um zu heilen.
etwas schlechtes ist ein teil von dir geworden, einfach so über die jahre,
und es nimmt einen ein und nimmt überhand und manchmal verliert man
sich selbst darin. man beginnt, das falsche zu glauben und das schlechte
zu lieben. man freundet sich damit an, damit es einen nicht zerstört. und
plötzlich hat es dich. und von außen kann man dich nicht befreien. man
kann dich nicht retten, wenn du dich selbst nicht rettest. aber manchmal
möchte man das zu gern glauben.


heyer

nichts, was wir tun und lassen, ist bedeutungslos.

24. april

ich hab’ große angst, dass du mich durchschaust,
aber größere, dass du’s nicht tust.


bewusstseinsströmende belanglosigkeit (6. juni 2012)

ich merk’ nicht, dass sich blau und grün vermischen, lass’ den himmel
seine farbe tragen und er mich meine. was für ein mann auf der bank?
achso, der. ist doch egal. ob dir kalt ist, frag’ ich mich, und ob du’s
zugeben würdest. dann ziehst du deine jacke an: ich bin überrascht
und weiß nicht wieso. du liegst auf dem boden, ich will nichts dazu sagen
und wir reden und schweigen über anderes, manchmal beides im selben
moment, und wir sind manchmal gleich, aber meistens anders. ich sitz’
über dem boden, wo ich mich meistens halte, und dort schmeck’ ich
kein drängen, rieche nicht, wie gedanken sich in qualm verflüchtigen,
spüre nicht, wie sich blätter in haaren verfangen. ich denke an deine
jacke, die vielleicht schmutzig wird, und an deinen kopf, unbequem
auf steinpflaster. wir weilen wieder vor der kirche; naja, weilen nicht,
atmen bloß und blenden aus und richten unser augenmerk auf
poetischere dinge.

ich sehe keine kunst in meinem eisbecher, aber vielleicht hast du recht.
ich störe mich nicht daran, dass du längst fertig bist mit dem essen und
ich nicht und hoffe nicht, es bringt dich nicht in verlegenheit. ich versuch’,
dich nicht anzuschauen, weil ich nicht mag zu sehen, wenn du mir beim
essen zusiehst, weil ich angst hab’, dass es blöd aussieht, und ich seh’
dich doch an, aber ich hab’ angst, dass du mich fragst, was ist, auch
wenn du’s nicht so meinst und es ist ja nichts. ich frag’ mich, wie du
mich mögen kannst, aber ich hab’ angst, an mir zu zweifeln, also lass’
ich es wieder und ich freu’ mich so sehr.

ich wundere mich nicht über die zigarettenstummel so unweit von dem
abfalleimer, 4,5 billionen im jahr auf der welt und ein paar eben auch
hier. ich frag’ mich kurz, ob das vielleicht nett gemeint ist mit dem
hinwerfen und ich weiß, dass kippensammeln nicht mehr in ist und find’
mich trotzdem sehr optimistisch. ich freu’ mich auch, dass ich jetzt nicht
auf regenvollgesogen-aufgequollenen zigarettenfiltern und matschigen
celluloseacetat liege, weil es schon lang nicht mehr geregnet hat, sondern
ich jedenfalls nur liege, wo auch immer, und jetzt nur neben dir liege und
dass du nicht mehr rauchst und dass ich gar nie rauchen muss.

du sagst, es wär’ unangenehm, das mit deinem atem, und ich versteh’
dich nicht und muss an popcorn denken, das mit karamellisiertem zucker
im kino, noch warm und wieso ist es manchmal eigentlich so schwer,
auf dich zuzukommen.

ich frag’ mich, was du denkst, obwohl du’s mir sagst und wohl gerade
deswegen. du sagst, du fragst dich, wie es ist, ein blatt zu sein, und ich
stell’ mir vor, wie es wäre, wenn ich ein blatt wäre und noch mehr,
wenn du eins wärst und wir sind uneinig über den wind oder nur wind
und das ist irgendwie schön für mich. was das wohl für blätter sind?
kastanien vielleicht. so eins möchte ich nicht sein.

zu viele worte, obwohl wenig, altgewohnte unbeholfenheit, dann zu dir;
hätt’ ich nicht gedacht, trotzdem fühl’ ich mich nicht überrannt und liefer’
mich aus und tu’s gern. manchmal find’ ich’s besser, nicht zu viel zu
denken; sei bitte nicht enttäuscht. und ich mag, wenn du’s auch nicht tust.

jo köhler, dichter

unsagbares sagbar zu machen und damit das wesentliche
zum schwingen zu bringen, ist das schöne am gedicht.
         
               
hier, wo wir seither stehen,
wollen wir uns nicht mehr sehen,
wollen immer weiter gehen,
hin, wo die winde leichter wehen.

ohne titel

"schön hier", wirst du sagen
"schön, du", stimm' ich dir zu,
deine finger zwischen meinen
zwischen häusern, schildern, lichtern;
hier könnte ihr gebäude stehen.
oder hier.
hier können sie glücklich sein.

und wir brauchen nicht viel,
nur abstand
vom stillstand
und welt.
wir werden einfach
auf dem asphalt liegen
im traum von chicago.
             
                   

aus trieftigen gründen

tieffliegen
tiefliegen
tieflage
tiefschlag
trieflage
trieflache
tiefe lache

enjoy the silence, depeche mode

du liegst gedankenschwer in meinem arm;
das gewicht lastet auf dir allein.
mir ist kalt und trotzdem warm.
ich wünschte, ich könnt' dich befrei'n.
           
beschimpfe mich, du fluchst doch nur zurecht.
kannst du mich nicht weinen sehen?
im leben muss man nichts so recht;
und ich muss jetzt dennoch gehen.
         
                     

wandel

nicht mehr unbefriedigt,
sondern unbefriedigung:
das leid scheint schließlich nichts als
auf aktivschmerz umgeschwungen.
           
                 

an die schlaflosigkeit

wenn der mond jetzt fällt,
gibt es nichts mehr, was uns hält.
unterm himmel hell und klar;
streicht deine hand noch durch mein haar.

o wie wohl ist mir am abend,
wenn ich ihn mit dir verbring';
mich an deinem antlitz labend
lass' ich mich still von dir besing'.





                      die stadt ist eingeschlafen und nun ruhen alle wälder,
                 in gehölzen hier und wiesen sind wir beide nur noch wach.
              über allen gipfeln ist ruh; nur wir schleichen um die felder.
       niemand stört sich je daran, denn liebesschwüre sind kein krach.

               
     

meine philosophin

du bist dir selbst noch aufgabe,
doch in dir ist etwas wirksam,
das bis in die lichtesten höhen alles treibt.
deine wirklichkeit ist ein geheimnis
und res extensa.
dein beseelter leib will schrei'n,
instinktlos-elendes geschöpf,
so verlassen aus den händen der natur gekommen,
schwach und unterliegend, dem zwist der elemente,
dem hunger, allen gefahren, den klauen
aller stärkeren tiere, einem tausendfachen tode
überlassen,
stehst du da! einsam und einzeln!

     
         
ich an deiner seite.

du warst auch vom ersten augenblicke an
das freitätige, vernünftige geschöpf,
das sich selbst helfen sollte
und nicht anders als gekonnt haben wird.
       
               

zerstörerische schöpfung

               
                                                         welches interesse hat ein leidendes wesen?
             
               

briefkastengeliege

woran ich denke, fragt sie mich.
wolken. oder: keine wolken. 
meine ausreden waren noch immer die schlechtesten.
wenn ich nur liegen könnte, immer liegen,
hier neben dir.
da wär' das wünschen nichts mehr wert.
               
             

an meine freundin

lass mich schwärmen,
von deinem lächeln, deinen augen,
die mein herz sehr wärmen
und mir den atem rauben.

lass mich dir die haarsträhnen
aus deinem gesicht streichen.
lass mich auch die tränen,
die du nicht weinst, beschleichen.

lass mich meine jacke um deine schultern legen,
dich fragen, was dir durch den kopf geht,
was dich kränkt, und komm, wir machen was dagegen,
bevor ich gehen muss, denn es ist spät.

lass mich noch sagen, 
dass du unbeschreiblich schön bist.
lass dich auch fragen,
wieso es so schwer für dich ist.

wir haben viele möglichkeiten.
wir können viel bewegen!
wir dürfen nur in diesen zeiten
nicht die hoffnung niederlegen.
             
                                 

an meine begabte freundin und die lebenskunst

das leben als kunst
ist nur noch normal.
künstler haben es schwer,
besonders
zu sein.

du bist besonders
(,)
künstlerin,
glaubst nicht, doch deine kunst tut's
und ich.
du bist müde, sagst du und hältst
                            die hände vor dein gesicht.
du siehst schön aus, finde ich.
bring mich nach avalon!
du kannst die erschöpfung
schönes schöpfen machen.

             
                         

für ein mädchen, das es nicht gibt und alle, die die wolken wirklich kennen

wir liegen im gras, lassen uns mit geöffneten augen von kirschblüten
                                                                                           beregnen
und träumen von uns und mehr, wolkenschiffen und
                                                                  kondenswasserverbünden.
ich will dir irgendwann unbedingt wieder einmal im tanzschweiß
                                                                                           begegnen,
dann komm noch auf einen kaffee mit rauf und vielleicht auch ein paar
                                                                                               sünden.
       
                   

noch in arbeit

ich krümme und stütze mich
erschöpft mit einer hand
so jammernd wie jämmerlich
auf den waschbeckenrand.

ich wanke, mir ist schwindelig.
das dunkel gleißt so grell.
meine welt dreht sich um dich
und heute ziemlich schnell.

ich lass' die lampen aus,
ich wandelndes skelett,
und steig' zum fenster aus
in mein gewitterwolkenbett.

mein herz schlägt nur noch donner,
meine tränen zerschlägt der regen.
ich bin der zu-spät-kommer
und mich kann auch nichts bewegen.

werd' ich mich jemals ändern?
was immer kommen mag,
ich werde weiter schlendern,
jeden morgen in den tag.


hyperaion

meine gedanken schleudern
margi- und margarinalisierend
     blindlings von einer
              stunde zur andern,
brüten aus und
ich krieg's nicht gebacken.
gehäufte esslöffel tränen darüber verschüttet.
irgendwo wird alles enden.
     doch uns ist gegeben,
              auf keiner stätte zu ruhn.

ich bin eremit im kriechen-land.
         
 

das beste

du bist noch mehr als du scheinst.
du bist ja niemals zu verletzen!
du bist auch dann schön, wenn du weinst.
du bist niemals zu ersetzen.

du bist.
und das ist das beste.